Umwelt

05.11.2014, Preisgünstig und umweltfreundlich?

Stromtarif nicht nur bei Preisänderung überprüfen

Mitte November werden erfahrungsgemäß Strompreiserhöhungen für das kommende Jahr angekündigt. Oft sind diese Anlass für einen Wechsel des Stromanbieters. Doch nicht nur bei Preisänderungen sollten Verbraucherinnen und Verbraucher ihren Tarif überprüfen.

Grundversorgung: Tarifwechsel lohnt sich

Mehr als ein Drittel, bzw. rund 37 Prozent der Haushalte in Deutschland beziehen Strom im so genannten Grundversorgungstarif. Diese Stromkunden haben in der Regel noch nie ihren Tarif gewechselt. Doch bei der Stromversorgung zahlt sich Tariftreue nicht aus. Die Grundversorgung ist oft der teuerste Tarif des lokalen Anbieters. Meist gibt es preiswertere Angebote, auch beim eigenen Anbieter.

Ökostrom: Umweltfreundliche Stromerzeugung unterstützen

Erneuerbare Energien haben am Strommix derzeit einen Anteil von 23 Prozent. Wer über die EEG-Umlage hinaus den Ausbau umweltfreundlicher Stromerzeugung voranbringen möchte, kann zu einem Ökostromtarif wechseln. Hier wird hauptsächlich Strom aus erneuerbaren Energien eingespeist. Strom aus effizienten Kraft-Wärmekopplungsanlagen darf einen Anteil von bis zu 50 Prozent ausmachen.

Auf dem Markt finden sich unterschiedliche Ökostromtarife. Reine Herkunftsnachweise bestätigen, dass der Strom tatsächlich aus erneuerbaren Energien stammt. Dies bedeutet jedoch nicht automatisch einen Zusatznutzen für die Umwelt. Wird beispielsweise nur Strom aus bereits bestehenden Wasserkraftwerken als Ökostrom verkauft, ändert dies nichts an der Stromzusammensetzung.

Ökostromlabel dagegen garantieren, dass der Strom vollständig oder überwiegend aus erneuerbaren Energien stammt, und dass durch den Wechsel zu diesem Tarif zusätzliche umweltfreundliche Anlagen entstehen. Empfehlenswerte Siegel sind beispielsweise das „Grüner-Strom-Label“ und das „ok-power“.

Ausschließlich Ökostrom-Angebote finden Sie z.B. beim Vergleichsrechner von Energievision.

Versorgungsunternehmen: Wer steht dahinter?

Auf dem deutschen Strommarkt finden sich neben den vier großen Konzernen E.ON, RWE, Vattenfall, EnBW und ihren Tochtergesellschaften, Stadtwerke und unabhängige Versorger. Viele Unternehmen bieten neben konventionellem Strom auch Ökostrom an. Doch es gibt auch reine Anbieter von Ökostrom.

Öko-Test (11/2014) hat Ökostromtarife getestet und bei der Bewertung die Struktur und das konventionelle Angebot der Ökostromanbieter berücksichtigt. Auf der Internetseite www.energieanbieterinformation.de gibt es für viele Anbieter vertiefte Informationen: Wer ist der Eigentümer, wie sind die Verflechtungen, welche Erfahrungen haben Verbraucher bisher mit einem Anbieter gemacht und vieles andere mehr.

Informieren und vergleichen

Wer den Anbieter wechseln will, sollte zunächst klären, wann er aus seinem bestehenden Vertrag kommt. In der Grundversorgung beträgt die Kündigungsfrist zwei Wochen, bei Sondertarifen finden Sie Angaben zur Vertragslaufzeit auf der Stromrechnung bzw. im Vertrag.

Deutschlandweit gibt es mehr als 1.000 Stromanbieter, oft mit mehreren Tarifen. Zudem verunsichern Berichte über Insolvenzen und Fallstricke im Vertrag. Wer sich vorab informiert, Angebote vergleicht und wichtige Punkte im Vertrag beachtet, braucht einen Wechsel nicht zu fürchten. Wechselwillige können zudem das Beratungsangebot des VSB in Anspruch nehmen.

Stromtarifrechner: Voreinstellungen anpassen

Vergleichsrechnerportale wie Verivox (www.verivox.de) und Check24 (www.check24.de) bieten einen Überblick über aktuell verfügbare Tarife. Zur Berechnung werden lediglich die Postleitzahl und der jährliche Stromverbrauch benötigt. Wichtig ist, die voreingestellten Filter zu beachten.

Wer verbraucherfreundliche Tarife sucht, sollte deshalb die Voreinstellungen prüfen und gegebenenfalls ändern. Sie sind häufig so eingestellt, dass Angebote mit unfairen Vertragskonditionen auf den vordersten Plätzen landen. Wichtig sind folgende Punkte:

  • Erstlaufzeit von höchstens zwölf Monaten. Nach Ablauf der Erstvertragslaufzeit sollte eine Kündigung jederzeit mit einer Frist von vier Wochen möglich sein.
  • Abzuraten ist von Tarifen mit Vorkasse oder Kaution sowie von Pakettarifen, bei denen eine festgelegte Strommenge gekauft wird.
  • Preisgarantie: Sie sollte mindestens die Vertragslaufzeit beinhalten und möglichst viele Bestandteile des Strompreises abdecken. Umlagen oder Steuern beispielsweise sind meist nicht enthalten und können zu Erhöhungen führen.
  • Preisvergleich ohne Neukundenbonus. Ein hoher Neukunden-Bonus, der bereits in den Strompreis einberechnet ist, verschleiert die künftigen Stromkosten.

Wer langfristig einen guten Strompreis wünscht, sollte die Kosten ohne Bonuszahlungen berechnen. Wer dennoch einen Anbieter mit Neukundenbonus wählen möchte, sollte in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) genau nachlesen, wann und zu welchen Bedingungen der Bonus ausgezahlt wird, damit es später keine bösen Überraschungen gibt.

Generell sollten sich Verbraucherinnen und Verbraucher nicht von einem sehr niedrigen Preis blenden lassen. So manches Schnäppchen kann Kunden langfristig teuer zu stehen kommen. Und: Auch wenn ein Tarifwechsel Einsparungen mit sich bringen kann, so gilt: Wer seinen Stromverbrauch senkt, schont Geldbeutel und Umwelt am meisten. Beispielsweise spart man bereits rund 25 Euro im Jahr, wenn der Verbrauch um nur 100 Kilowattstunden gesenkt wird.

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