Umwelt

25.07.2019

Wie nachhaltig ist Bio-Plastik?

Nachdem Kunststoffe in die Kritik geraten sind und besonders im Verpackungsbereich in vielen Fällen als nicht nachhaltig gelten, reagierte verstärkt die Industrie und sucht nach Alternativen. Zunehmend gelangen Produkte auf den Markt, die mit dem Begriff „Bio-Plastik“ und umweltfreundlich wirkendem Design dem Verbraucher eine generelle Umweltverträglichkeit versprechen. Bisher beträgt der Marktanteil dieser Produkte weltweit noch unter 1% und steigt gemäß Prognose des Instituts für Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe (IfBB) auch nicht über 2 bis 3 %. Diese Zahlen stehen im Zusammenhang mit Diskussionen um den Nutzen der Biokunststoffe. Die derzeitige Marktlage verwirrt den Verbraucher mehr, als dass sich eine nachhaltige Lösung für das Problem mit dem Plastikmüll abzeichnet.

Wie nachhaltig ist Bio-Plastik?
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Wie ökologisch sind diese Materialien gegenüber den herkömmlichen Kunststoffen tatsächlich? Welche Kriterien helfen, die Nachhaltigkeit der jeweiligen Biokunststoffe zu beurteilen? Was ist beim Einkauf und bei der Entsorgung von „Bio-Plastik“ zu beachten?

Als „Naturbecher“, die biologisch abbaubar und recyclebar seien, werden auch Bambusbecher beworben. Hersteller bieten diese nicht als „Bio-Plastik“ sondern als ökologische Alternative an, dabei beinhalten sie meist nur einen Anteil von rund 30% Bambusfasern. Form und Zusammenhalt bringt jedoch Melaminharz, ein Kunststoff, der sich aus Formaldehyd und Melamin zusammensetzt.

Das Material Bio-Kunststoff 

Es existieren zwei Gruppen von Bio-Kunststoffen: Biologisch abbaubare Kunststoffe und biobasierte Kunststoffe. Die Vorsilbe „Bio“ bedeutet für Kunststoffe nicht zwangsläufig, dass das jeweilige Material aus erneuerbaren Rohstoffen hergestellt wurde und gleichzeitig biologisch schnell abbaubar ist. Für Bio-Kunststoffe gibt es nach wie vor keine festgelegte Kennzeichnung. Das Siegel Plant Bottle wurde vom Hersteller für teilweise aus pflanzlichen Rohstoffen hergestellte Flaschen eingeführt. Der Verbraucher erkennt daraus jedoch weder den vorliegenden Kunststofftyp, noch den ökologischen Nutzen des Materials. Die Vergabe des Logos mit dem Keimling vom Verband „klimaneutrale Verpackung“ zur Kompostierbarkeit folgt den Kriterien der Europäischen Norm EN 13432. Danach müssen innerhalb von 12 Wochen 90% des Materials in Kunststoffteilchen kleiner als 2 mm zersetzt und nach 6 Monaten in Kohlendioxid (CO2) umgewandelt sein. Eine ökologische Unbedenklichkeit geht mit diesem Logo allerdings laut BUND nicht automatisch einher. 

Wie ökologisch sind biologisch abbaubare Kunststoffe?

Biologisch abbaubare Kunststoffe bestehen nicht zwingend aus erneuerbaren Rohstoffen. Sie zersetzen sich durch die biologische Aktivität von Mikroorganismen und Pilzen (u.a. durch enzymatische Wirkung) unter bestimmten Bedingungen (Temperatur, Feuchtigkeit, Verweildauer) zu Kohlendioxid (CO2) und Wasser. Eine Kompostierung dieser Kunststoffe bietet bisher keinen Vorteil. Einem hohen Energie- und Ressourcenverbrauch für die Herstellung stehen Zerfallsbedingungen gegenüber, die kein Gartenkompost sondern nur (industrielle) Kompostieranlagen bieten. Selbst dort erfolgt der Zerfall nach derzeitigem Stand der Technik langsamer (mind. 8 bis 12 Wochen) als der übliche Kompostiervorgang (durchschnittlich 5 bis 8 Wochen). So verbleiben Kunststoffpartikel im fertigen Kompost und würden auf Felder und in Gärten ausgebracht. Daher sind biologisch abbaubare Kunststoffe bisher nicht für die Biotonne geeignet und werden in der Regel vor der Kompostierung aussortiert. Der schnellere Zerfall in kleine Partikel erschwert das Aussortieren sogar noch gegenüber herkömmlichen Kunststoffen. Abgesehen davon erkennen die Maschinen nach derzeitigem Stand der Technik nicht, ob der jeweilige Kunststoff kompostierbar ist und sortieren daher grundsätzlich alle Kunststoffe aus. Aus dem biologischen Abbau dieser Kunststoffe kann kein ökologischer Nutzen gezogen werden, da die Zerfallsprodukte Wasser und Kohlendioxid (CO2) keine Nährstoffe für den Kompost liefern. Vielerorts sind Verbraucherinnen und Verbraucher angehalten, biologisch abbaubare Kunststoffe in der Restmülltonne zu entsorgen, da durch die Müllverbrennung wenigstens Wärmeenergie gewonnen wird.

Wie ökologisch sind biobasierte Kunststoffe?

Biobasierte Kunststoffe bestehen aus Biomasse. Sowohl stärke- und cellulosebasierte Rohstoffe, wie z.B. Mais, Zuckerrübe, Miscanthus und Zuckerrohr, als auch auf Ölsaaten basierende Rohstoffe wie z.B. Raps, Sonnenblumenöl und Palmöl werden zur Herstellung eingesetzt. Auch Holz findet als erneuerbarer Rohstoff – im Gegensatz zu tierischen Rohstoffen – Verwendung. Geeigneter ist der Begriff „Agrokunststoff“, da es sich bei den biobasierten Kunststoffen nicht zwingend um Bio-Produkte aus dem ökologischen Anbau handelt. Die so produzierten Materialien können mit Kunststoffen aus fossilen Rohstoffen stoffgleich sein („Drop-in“) und sind dann nicht zwingend biologisch abbaubar. Ein Recyceln ist möglich, wie zum Beispiel bei Polyethylentherephtalat(PET)-Flaschen.

Nicht alle biobasierten Kunststoffe werden zu 100% aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Sie können Anteile erdölbasierter Kunststoffe enthalten. Chemische Zusätze, oft aus Erdöl gewonnen, kommen hinzu, um die Eigenschaften der biobasierten Kunststoffe zu beeinflussen. Diese Zusatzstoffe gelangen möglicherweise aus den Packungen in die Lebensmittel und über die Kompostierung unkontrolliert in die Umwelt. Auch wenn die Ökobilanz biobasierter Kunststoffe laut Umweltbundesamt (UBA) nicht besser ist als die der erdölbasierten Kunststoffe, haben diese Materialien in Anbetracht der sinkenden Erdölreserven für die Industrie Relevanz.

Der Eindruck, mit nachwachsenden Rohstoffen unbegrenzte Ressourcen zur Verfügung zu haben, trügt, denn auch Böden sind ein begrenztes Gut. Anbau (vielfach in Monokulturen), Einsatz von Dünger und Pestiziden sowie Bewässerung verbrauchen Ressourcen und setzen Grenzen. Schnell tritt die Gewinnung nachwachsender Rohstoffe in Konkurrenz zur Nahrungs- und Futtermittelherstellung. Biobasierte Kunststoffbeutel dürfen grundsätzlich nicht in die Biotonne entsorgt werden, es sei denn, sie sind biologisch abbaubar und nach EN 13432 und EN 14995 zertifiziert. Die Entsorgung erfolgt über den gelben Sack bzw. die gelbe Tonne.

Bewertung des aktuellen Stands aus Umweltsicht

Nach Prognosen des Instituts für Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe (IfBB) in Hannover ist biologisch abbaubarer Kunststoff nicht die Lösung der Zukunft. Der Anteil des kompostierbaren Kunststoffs steigt danach in den kommenden Jahren kaum.

Insgesamt bieten die Biokunststoffe nach wie vor keine ökologischen Vorteile gegenüber den herkömmlichen Kunststoffen. Eine Kompostierung bleibt problematisch.

Tipps für Verbraucherinnen und Verbraucher:

  • Weniger ist mehr: Kunststoff, der nicht verbraucht wird, ist besser als jeglicher Kunststoff.
  • Sparen Sie Kunststoffverpackungen wo immer es möglich ist.
  • Vorsicht auch bei ökologischen Alternativen.
  • Verwenden Sie so oft wie möglich Mehrwegpackungen.
  • Informieren Sie sich beim lokalen Abfallentsorger über die Entsorgungsvorgaben für Biokunststoffe (häufig Restmülltonne oder gelber Sack bzw. gelbe Tonne).
  • Bioplastik gehört nicht auf den Gartenkompost, da die Temperatur für den Abbau zu niedrig ist.

 

Quellen und weiterführende Infos:

Umweltbundesamt: Kurzposition Biokunststoffe 

Planet Wissen: Biokunststoffe

Fairlis: Biokunststoff - wie nachhaltig ist die Plastik-Alternative wirklich? 

Stiftung Warentest: Bambusbecher im Test

 

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