Umwelt

03.07.2019, Einkaufen im Netz

Wie umweltfreundlich ist Online-Shopping?

Immer mehr Waren werden im Internet gekauft und nach Hause geliefert. Online-Shopping erspart den Weg ins Einkaufszentrum und erfolgt zu jeder Tageszeit bequem von zuhause aus. Der Online-Einkauf ist vielfach sehr praktisch, aber ist er auch umweltfreundlich und ressourcenschonend?

Wie umweltfreundlich ist Online-Shopping?
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Online Einkaufen: Jederzeit, überall und nachhaltig?

Online kaufen oder doch im Geschäft - die Übergänge sind häufig fließend. Verbraucherinnen und Verbraucher vergleichen zum Beispiel die Preise online, wählen dann aber ein Geschäft vor Ort zum Kauf. Oder informieren sich im Laden und kaufen dann aber beim günstigsten Online-Anbieter. Neben Transport und Verpackung führen - durch den zusätzlichen Transportaufwand der Ware - vor allem die Rücksendungen unpassender Produkte zu einem erhöhten Energie- und Ressourcenverbrauch. Die Netzwerkgruppe „Nachhaltiger Konsum“ des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) beziffert die Ergebnisse entsprechender Studien für den Online-Handel zwischen 32 Prozent eingesparten und 240 Prozent höheren CO2-Ausstoß im Vergleich zum stationären Handel (vzbv).

Durch den Kauf per Mausklick senkt sich auf der einen Seite der zeitliche, physische und finanzielle Aufwand. Auf der anderen Seite kann sich dies aber schnell durch neue Konsumansprüche und Fehlkäufe im Netz aufheben. Die unterschiedlichsten Formen der Online-Werbung sowie vermeintliche Niedrigstpreise begünstigen dies.

Nachhaltige Mode findet sich im Netz

Digitalisierung kann Vernetzung, Zugang zu Information und Auswahlmöglichkeiten fördern. Nachhaltiges Einkaufen - vor allem von Kleidung - wird einfacher, kann aber zu höheren und ungeplanten Verbräuchen führen. Digitale Plattformen erleichtern nachhaltiges Konsumverhalten, d.h. die Wahl von Produkten, die in der Produktion, Nutzung und Entsorgung besonders umweltfreundlich und sozialverträglich sind. Gerade bei Bekleidung ist die Auswahl an nachhaltiger Mode im Handel vor Ort häufig sehr spärlich. Somit gestaltet sich die Online-Bestellung nachhaltig zertifizierter Modelabel in der Tat umweltfreundlicher.

Ein wichtiges Kriterium für eine gute Ökobilanz von Kleidung ist auch deren Langlebigkeit. Gebrauchte Textilien sind deshalb nicht nur bei Kinderkleidung eine preiswerte und ressourcenschonende Alternative. Digitale Bezahlsysteme und zahlreiche Portale erleichtern den Kauf und Wiederverkauf von secondhand Kleidung.

Retouren belasten das Klima

Obwohl diverse Studien mit verschiedenen Zahlen veröffentlicht wurden, sicher ist, dass die Wachstumsraten im Online-Handel in Deutschland jedes Jahr im zweistelligen Bereich liegen. Nach der Prognose des Handelsverbandes Deutschland (HDE) beläuft sich der Umsatz in Deutschland im Jahr 2019 auf 57,8 Milliarden Euro (Zahlen siehe statista). Die größten Umsätze im Internet erreichen Bekleidung, Elektronik, Computer und Schuhe, die zusammen mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes ausmachen. Im Online-Handel mit Bekleidung und Schuhen setzten die Deutschen im Jahr 2018 insgesamt rund 16,8 Milliarden Euro um. Im Jahr 2006 belief sich der Online-Umsatz mit Bekleidung und Schuhen noch auf rund 2,8 Milliarden Euro. 

Zudem schicken deutsche Verbraucherinnen und Verbraucher ihre online Einkäufe immer häufiger zurück. Besonders davon betroffen ist Kleidung. Online-Käufer bestellen viele Kleidungsstücke gleich in mehreren Größen, um zu Hause eine Auswahl zu treffen. Dadurch wird die Umwelt belastet, ebenso entstehen höhere Gesamtkosten für die Händler. Wirtschaftswissenschaftler der Uni Bamberg ermittelten, dass die Deutschen im Jahr 2018 jedes sechste Paket zurückschickten, bei Kleidung fast jedes zweite. Das sind 280 Millionen Pakete und 487 Millionen Artikel, die 238.000 Tonnen CO2 erzeugten (Retourentacho).

CO2-Emissionen von Paketen und Müllberge

Gleichzeitig steigt jedes Jahr die Zahl der Express- und Prime-Zustellungen. Auch der Versand mehrerer Pakete für eine Bestellung an eine Adresse verschwendet deutlich mehr Ressourcen. Laut eines Beitrags des Bayerischen Rundfunks machen Logistikunternehmen mittlerweile 70 Prozent ihres Umsatzes mit Online-Handel (BR1). Nach Aussage des Paketdienstes DHL verursacht jedes verschickte Paket über das Zustellsystem der Deutschen Post 500 Gramm CO2-Emissionen, was einer durchschnittlichen Autostrecke mit dem Privat-PKW von etwa vier Kilometern entspricht.

Durch den Paketversand fallen im Onlinehandel besonders viele Verpackungsmaterialien an, je nach Anforderung der Ware auch noch zusätzliches Polstermaterial. Laut Verband der Kommunalen Unternehmen verändert sich dadurch auch die Zusammensetzung des Papier- und Pappe-Abfalls in unseren Altpapiertonnen stark verändert. Inzwischen sind es fast 71 Prozent Verpackungen, die in der Altpapiertonne landen und der Verbrauch von Verpackungsmüll hat seit 1996 um 540 Prozent zugenommen (Umweltbundesamt).

Tipps für umweltfreundliches (Online)-Einkaufen

In der Theorie ist der Online Handel tatsächlich umweltfreundlicher als der direkte Einkauf im Geschäft. Aber nur dann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen:

  • Bewusst kaufen, nur das bestellen, was Sie wirklich brauchen und das vor Ort nicht erhältlich ist. Damit stärken Sie auch Ihre Händler vor Ort.
  • Einkäufe - egal ob im Laden oder online - bündeln.
  • Nicht im Laden informieren oder anprobieren und anschließend online kaufen.
  • Standardzustellung anstelle von Express oder Prime wählen (sobald Zustellfahrzeuge nicht voll beladen sind, erhöht sich die CO2-Bilanz).
  • Vergebliche Zustellversuche vermeiden durch Selbstabholung in einer Abholstation (idealerweise in Laufnähe), Vereinbarung eines Liefertermins oder eines Ablageorts.
  • Sicherstellen, dass die Ware passt, um Rücksendungen zu vermeiden.
  • Auf klimaneutrale, umweltfreundliche Verpackung bzw. Versand (z.B. DHL „Go Green“) oder Mehrweg-Versandsystem achten.
  • Regionale Lieferdienste nutzen.
  • Bei Online-Anbietern auf Firmenkodex im Bereich Umwelt- und Sozialstandards achten.
  • Kleidung als Secondhandware kaufen oder verkaufen.

 

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