Verbraucherrecht

07.09.2020

Inkassokosten - was ist geschuldet, was nicht?

Inkassoschreiben stellen ein großes Ärgernis dar und gehören zu den häufigsten Anfragen, die Verbraucher*innen an die Beratungsstellen des VerbraucherService Bayern richten. Typischerweise handelt ein Inkassounternehmen im Auftrag eines anderen Unternehmens, um angeblich offene Rechnungsbeträge anzumahnen. Dabei wird nicht nur der eigentliche Betrag – der häufig nur wenige Euro ausmacht – geltend gemacht, sondern eine Vielzahl weiterer Positionen, die den ursprünglichen Posten häufig um ein Vielfaches übersteigen. Für Verbraucher*innen ist es schwierig, die Berechtigung der einzelnen Beträge zu überprüfen. Hinzu kommt, dass die Schreiben von Inkassounternehmen in der Regel bedrohlich klingen und den Eindruck erwecken, es bliebe nichts anderes übrig, als zu bezahlen.

Inkassokosten - was ist geschuldet, was nicht?
Foto: © svetikd/iStockphoto.com

Hauptforderung, Nebenforderungen, Inkassokosten

Ein genauer Blick auf die einzelnen Kostenpositionen zahlt sich häufig aus. Neben der eigentlichen Hauptforderung – also dem angemahnten Rechnungsbetrag selber – enthalten Inkassoschreiben meist noch Mahnkosten, Gebühren für Einwohnermeldeamtsanfragen, die Inkassokosten, also den Zuschlag, den das Inkassounternehmen für die eigene Tätigkeit haben möchte sowie Verzugszinsen. Gerade was diese Nebenkosten angeht, besteht große Unsicherheit, welche Kostenpositionen geschuldet sind und welche nicht.

Inkassokosten nur bei berechtigter Hauptforderung und Verzug des Schuldners

Im Grunde ist es ganz einfach: Sämtliche Nebenkosten sind nur dann geschuldet, wenn die Hauptforderung berechtigt ist und man als Verbraucher*in mit der Zahlung in Verzug ist.

Ist schon die Hauptforderung nicht berechtigt, spielen die Inkassokosten – egal wie hoch diese letztendlich ausfallen – keine Rolle, sie sind schlicht nicht geschuldet.

Was den Zeitpunkt angeht, ab dem Verzug vorliegt, ist dies im Einzelfall oft streitig, aber als Faustregel gilt: Erst dann, wenn Sie eine berechtigte Forderung/Rechnung trotz einer ersten Mahnung (die noch kostenfrei sein muss) nicht zahlen, befinden Sie sich in Verzug. Nur Kosten (also z.B. diejenigen eines Inkassounternehmens), die dem Unternehmer ab diesem Zeitpunkt entstehen, kann es als (Verzugs-)schaden von seinem Schuldner verlangen.

Verzugszinsen sind klar geregelt

Klar geregelt sind die Verzugszinsen. Diese schulden Verbraucher*innen ab dem Zeitpunkt, in dem sie in Verzug sind. Derzeit (Stand 13. Juli 2020) betragen die Verzugszinsen 4,12 Prozent pro Jahr. Bei einer Forderung über einen Betrag in Höhe EUR 250,00 und einem Zahlungsverzug von drei Monaten entstehen so beispielsweise Verzugszinsen in Höhe von EUR 2,54. In der Praxis spielen die Verzugszinsen bei „typischen“ Inkassosachverhalten – hier geht es ja meist um wenige hundert Euro – daher keine nennenswerte Rolle.

Ein Verzugsschaden muss tatsächlich entstanden sein

Ein über den gesetzlichen Verzugszins hinausgehender Schaden muss dem Unternehmer tatsächlich entstanden sein und im Streitfall auch nachgewiesen werden. Sieht sich der Unternehmer also beispielsweise genötigt – da sich die Anschrift des Kunden geändert hat – eine kostenpflichtige Auskunft beim Einwohnermeldeamt einzuholen, so ist er berechtigt, diese Kosten auch gegenüber seinem Schuldner geltend zu machen – vorausgesetzt, diese waren wirklich erforderlich und sind auch tatsächlich entstanden.

Das gleiche gilt für die Kosten eines Inkassounternehmens. Hat der Unternehmer ein solches beauftragt und sind ihm tatsächlich Kosten in der geltend gemachten Höhe entstanden, können auch diese vom säumigen Kunden geschuldet sein. Entstehen dem Unternehmer aber keine oder geringere Kosten für das Inkassounternehmen als tatsächlich geltend gemacht, sind auch nur diese geringeren Kosten vom Schuldner zu ersetzen.

Einzelheiten zu den Inkassokosten sind immer noch umstritten – so vertreten beispielsweise einige Gerichte die Auffassung, dass es gerade großen Konzernen zumutbar ist, ihre Kunden selber (und kostengünstiger) anzumahnen. Diese Unternehmen dürfen dann zwar auch Inkassounternehmen beauftragen, die entstehenden Kosten aber nicht an den Kunden weiterleiten.

Schadensminderungspflicht

Unzutreffend ist die Annahme, dass Inkassokosten immer weiter ansteigen und quasi jedes weitere Inkassoschreiben die Angelegenheit noch teurer macht.

Richtig ist, dass Verbraucher*innen, wenn sie eine Rechnung auch auf eine Mahnung hin nicht bezahlen, in Verzug geraten. Richtig ist auch, dass die Rechtsprechung es einem Unternehmen in einem solchen Fall grundsätzlich zugesteht, ein Inkassounternehmen zu beauftragen und die hier entstehenden Kosten auf den Schuldner umzuwälzen. Dabei darf das Unternehmen die hier entstehenden Kosten aber nicht ausufern lassen, sondern ist vielmehr verpflichtet, den Schaden (also vor allem die Kosten des Inkassounternehmens), möglichst gering zu halten. So darf ein Unternehmen nur vernünftige Schritte einleiten, bei welchen davon auszugehen ist, dass der Verbraucher*in die Forderung bezahlt.

Wenn ein Kunde auf ein erstes Inkassoschreiben nicht reagiert oder die Forderung sogar ausdrücklich zurückweist, ist es nicht mehr angebracht, weitere Mahnschreiben versenden zu lassen. Gleiches gilt, wenn ein Unternehmen nach einem Inkassounternehmen noch eine Anwaltskanzlei nachschaltet, um außergerichtlich anzumahnen. Hier fallen doppelte Kosten für das Inkassounternehmen und die beauftragte Anwaltskanzlei an, letztere hat jedoch das Unternehmen zu tragen und kann diese in aller Regel auch nicht an den säumigen Kunden weiterreichen.

Hinzu kommt, dass Inkassounternehmen sich üblicherweise an den Gebühren orientieren, die auch Rechtsanwälte abrechnen. Die anwaltlichen Gebühren sehen für den außergerichtlichen Bereich aber nur eine einzige Gebühr vor, die mit dem ersten Anschreiben entsteht. Dieser – vom Gegenstandswert abhängige und der Höhe nach gedeckelter – Betrag deckt dann die gesamte (außergerichtliche) Tätigkeit, also auch weitere Mahnschreiben ab. Die Angst vor ausufernden Inkassokosten ist also selbst bei berechtigten Forderungen regelmäßig unbegründet.

Wichtige Regeln im Umgang mit Inkassounternehmen

Abschließend die wichtigsten Tipps zur Kommunikation mit Inkassounternehmen:

  • Bei berechtigten Forderungen am besten schnellstmöglich bezahlen, eine weitere Kontaktaufnahme zum Inkassounternehmen ist üblicherweise nicht erforderlich. Nur dann, wenn eine Einmalzahlung nicht möglich ist, macht es Sinn, sich mit dem Inkassounternehmen in Verbindung zu setzen, um beispielsweise eine Stundung oder eine Ratenzahlungsvereinbarung zu erzielen. Überhöhte Inkassokosten können Sie kürzen. Dies sollte bei der Überweisung im Verwendungszweck gekennzeichnet werden (z.B. „abzgl. EUR 10,00 Inkassokosten“).
  • Bei unberechtigten Forderungen macht es keinen Sinn, zu versuchen das Inkassounternehmen von der Nichtexistenz der Forderung zu überzeugen. Das Inkassounternehmen hat in aller Regel weder das Interesse, noch das Wissen, um über die Berechtigung oder Nichtberechtigung der geltend gemachten Forderung zu urteilen. In diesen Fällen reicht es aus, ein einziges Schreiben an das Inkassounternehmen zu richten, und in diesem kurz zu begründen, dass und weshalb Sie die Forderung nicht bezahlen. Auf künftige Schreiben des Inkassounternehmens brauchen Sie dann nicht mehr zu reagieren. Werden gerichtliche Schritte angedroht, gelassen bleiben.
  • Bei teilweise berechtigten Forderungen sollten Sie den berechtigten Teil schnellstmöglich bezahlen, um spätere Kostensteigerungen zu vermeiden. Hinsichtlich des unberechtigten Teils wie bei unberechtigten Forderungen vorgehen.
  • Bei ungeklärten Forderungen – also bei Forderungen, bei denen Sie selbst nicht sicher sind, ob der geltend gemachte Betrag berechtigt ist – sollten Sie fachlichen Rat einholen. Lassen Sie die Berechtigung beispielsweise durch den VerbraucherService Bayern überprüfen. Dann können Sie – je nach Ergebnis – angemessen reagieren.
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