Verbraucherrecht

14.12.2016, Fahrplanwechsel im Dezember 2016

Probleme im Bahnverkehr – Kennen Sie Ihre Rechte?

Jeder Bahnfahrer kennt Verspätungen und Ausfälle der Züge. Aber kennen Sie auch ihre Fahrgastrechte bei Bahnreisen und können diese geltend machen? Welche Änderungen zum Fahrplanwechsel im Dezember 2016 auf die Verbraucherinnen und Verbraucher zukommen haben wir für Sie zusammengestellt.

Kommt der Bahnreisende zu spät am Zielort an oder fällt der Zug total aus, können seit dem Inkrafttreten der europäischen Verordnung (EG) Nr.1371/2007 die Reisenden ihre  Fahrgastrechte bei allen Eisenbahnunternehmen geltend machen. Diese gelten für alle Züge von der S-Bahn bis zum ICE incl. IC Bus, unabhängig davon, welches Eisenbahnunternehmen sie betreibt, sowie bei grenzüberschreitenden Fahrten in andere EU-Nachbarländer.

Probleme im Bahnverkehr – Kennen Sie Ihre Rechte?
Foto: © benfuenfundachtzig - pixabay.com

Verspätung und Ausfall Ihres Zuges

Erreicht Ihr Zug im Fern- und Nahverkehr verspätet den Zielbahnhof oder fällt aus, so stehen Ihnen ab 60 Minuten Verspätung 25 % und ab 120 Minuten 50 % des bezahlten Fahrpreises als Erstattung zu. Reisen Sie mit einem ICE-Sprinter, dann gibt es die Entschädigung bereits ab 30 Minuten Verspätung. Maßgeblich für die Berechnung ist immer die Ankunft am Zielbahnhof.

Pauschalen bei Zeitkarten

Bei Inhabern von Zeitkarten (einschließlich Schülerzeitkarten), der BahnCard 100, eines Schönes-Wochenende-Ticket, Quer-durchs-Land-Ticket oder Länder-Ticket (z.B. Bayernticket) wird pauschal ab 60 Minuten wie folgt entschädigt:

Zeitfahrkarten                         2. Klasse                       1. Klasse

Im Nahverkehr                       1,50 Euro                       2,25 Euro

Im Fernverkehr                       5,00 Euro                       7,50 Euro

BahnCard 100                       10,00 Euro                    15,00 Euro

Alle Beträge werden allerdings erst ab 4 Euro ausbezahlt. Die Entschädigungsfälle von Wochen- und Monatskarten sollten Sie nach Ablauf der Geltungsdauer gesammelt beim Servicecenter Fahrgastrechte einreichen. Die Entschädigungsgrenze liegt bei max. 25 % des Zeitkartenwertes.

Wird Ihr Zielbahnhof erst mit einer Verspätung von mehr als 60 Minuten erreicht, so können Sie vor Fahrtantritt von Ihrer Bahnreise zurücktreten oder die Fahrt unterwegs abbrechen und zu Ihrem Startbahnhof zurückkehren, sollte die Fahrt für Sie sinnlos geworden sein und sich den vollen Fahrpreis in beiden Fällen erstatten lassen. Brechen Sie die Fahrt unterwegs ab, so steht Ihnen für den nicht genutzten Fahrkartenanteil die Entschädigung zu.

Ist am Zielbahnhof mit einer Verspätung über 20 Minuten zu rechnen, so können Sie Ihre Reise mit einem anderen Zug fortsetzen. Ausgenommen davon sind reservierungspflichtige Züge wie z.B. die CityNightLine-Verbindungen. Haben Sie ein Sparpreisticket dann entfällt die Zugbindung. Möchten Sie von einem Nah-  auf einem Fernverkehrszug umsteigen, müssen Sie zuerst eine Fahrkarte für den Fernverkehr kaufen. Diese Zusatzkosten oder die Kosten für nicht genutzte Reservierungen können Sie wieder zurückfordern. Erheblich ermäßigte Fahrkarten, wie die Länder-Tickets und das Schönes-Wochenende-Ticket fallen nicht unter diese Regelung.

Was ist, wenn es nachts am Bahnhof nicht mehr weiter geht?

Liegt die planmäßige Ankunftszeit Ihres Zuges zwischen 0 und 5 Uhr und ist mit einer  Verspätung von mindestens 60 Minuten zu rechnen, können Sie mit einem anderen Verkehrsmittel z.B. Taxi weiterreisen. Dies gilt auch bei Zugausfall, wenn es die letzte fahrplanmäßige Verbindung des Tages betrifft und Ihr Ziel nicht mehr vor 24 Uhr zu erreichen ist. Voraussetzung ist, dass Sie kein preisgünstigeres Verkehrsmittel mehr nutzen können.

Die Taxikosten werden bis zu max. 80 Euro von der Bahn übernommen, wenn Sie unverschuldet Ihre Reise nicht weiter fortsetzen können.

Tipp: Wenn sich abzeichnet, dass Sie ohne Taxi Ihr Ziel nicht mehr erreichen werden, sollten Sie frühzeitig mit dem Zugpersonal sprechen. Der Zugbegleiter kann Ihnen in der Regel einen Taxigutschein aushändigen, so müssen Sie die Taxikosten nicht bezahlen und dann wieder zurückholen.

Übernachtung erforderlich

Ist die Fortsetzung Ihrer Reise am selben Tag nicht mehr zumutbar oder sogar unmöglich geworden, so steht Ihnen als Fahrgast die Erstattung von angemessenen Übernachtungskosten und dem Transfer zum Hotel zu.

Unbedingt zu beachten!

Bietet Ihnen das Eisenbahnunternehmen eine Übernachtungsmöglichkeit oder ein preisgünstigeres Verkehrsmittel an, so haben diese Vorrang vor selbstorganisierten Alternativen. In jedem Fall müssen Sie, bevor Sie selbst tätig werden, versuchen mit dem Zugpersonal oder vor Ort mit der DB-Informationsstelle Kontakt aufzunehmen.

Höhere Gewalt

Egal wo man in Deutschland oder Europa unterwegs ist, der EUGH Europäische Gerichtshof (EuGH) (Az. C-509/11) hat entschieden, dass bei höherer Gewalt z.B. bei schlechtem Wetter, Streik oder wenn ein Lastwagen die Gleise blockiert, die Entschädigung zu zahlen ist.

Verspätungs-Alarm nutzen

Melden Sie Ihre Zugverbindung bei m.bahn.de oder die App-DB Navigator an, so werden Sie ab einer Verspätung von 10 Minuten, Anschlussgefährdung oder Zugausfall ab zwei Stunden vor Abfahrt per E-Mail oder Push-Nachricht informiert. Und das unabhängig davon, wie Sie Ihr Ticket bezahlt oder gebucht haben.

Anspruch auf Hilfeleistungen

Zu den Hilfeleistungen zählt auch die Informationspflicht des Unternehmens, die Reisenden unverzüglich über Verspätungen und Zugausfälle zu informieren. Ab einer Verspätung von mind. 60 Minuten müssen den Fahrgästen in angemessenem Umfang Mahlzeiten und Erfrischungen angeboten werden. Diese Regelung gilt allerdings nicht im Nahverkehr.

So machen Sie Ihre Ansprüche geltend

Lassen Sie sich die Zugverspätung oder den –ausfall auf Ihrer Fahrkarte oder dem Fahrgastrechte-Formular beim Zugpersonal, am DB Informationsstand oder DB Reisezentrum bestätigen. Dort bekommen Sie auch die Fahrgastrechte-Formulare ausgehändigt. Diese können Sie auch im Internet unter www.bahn.de/fahrgastrechte und www.fahrgastrechte.info finden. Die Entschädigung erhalten Sie in bar ausbezahlt oder als Gutschein. Bei fehlender Bestätigung auf dem Fahrgastrechte-Formular, Zeitkarten, Fahrkartenkopien oder bei Originalbelegen von Bus, Taxi und Hotel, sowie bei formlosen Schreiben müssen Sie die Unterlagen beim Servicecenter Fahrgastrechte, 60647 Frankfurt am Main einreichen.

Tipp: Wichtig ist, dass Sie Ihre Erstattungsanträge bis spätestens 1 Jahr nach Ablauf der Geltungsdauer Ihrer Fahrkarte einreichen. Machen Sie sich zusätzlich Kopien von Ihren eingereichten Unterlagen.

Antrag abgelehnt, was jetzt? 

Sollten Sie Probleme bei der Durchsetzung Ihrer Rechte mit den Eisenbahnunternehmen haben, so können Sie ein kostenloses Schlichtungsverfahren einleiten:

söp – Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr e.V.

Fasanenstr. 91, 10623 Berlin.

Tel. 030  644 99 33 – 0, Fas: 030  6 4499 33 10

E-Mail: kontakt@soep-online.de

Internet: www.söp-online.de

Bei Beschwerden über das Eisenbahnunternehmen:

Eisenbahn-Bundesamt

Heinemannstr. 6. 53175 Bonn

Tel. +49 228 98 26 – 0 Fax: +49 228 98 26 – 199

E-Mail: poststelle@eba.bund.de

Internet: www.eba.bund.de

Barrierefreies Reisen

Menschen mit Behinderungen die Hilfe benötigen, haben einen Anspruch auf die barrierefreie Nutzung von Bahnhöfen, Bahnsteigen und sonstigen Einrichtungen. Unterstützende Hilfeleistung beim Ein- und Aussteigen, Fahrkartenkauf oder während der Fahrt muss kostenlos geleistet werden, soweit Servicepersonal zur Verfügung steht. Bis einen Tag vor der Reise können Sie sich unter www.bahn.de/barrierefrei oder bei der Mobilitätsservice-Zentrale unter der kostenpflichtigen Rufnummer 0180 6 512 512 anmelden.

Was erwartet die Kunden zum Fahrplanwechsel im Dezember 2016?

Für die Kunden der Deutschen Bahn wird mit dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2016 das Reisen mit der Bahn teurer. Im Fernverkehr (ICE und IC/EC) werden die Fahrpreise durchschnittlich um 1,3 Prozent in der 1. und 2. Klasse erhöht. Die Flexpreise im Nahverkehr steigen um 1,9 Prozent und für Streckenzeitkarten um 3,9 Prozent im Durchschnitt. Das Stornoentgelt bei Umtausch und Erstattung für bereits gebuchte Tickets wird von 17,50 Euro auf 19,00 Euro erhöht. Außerdem plant die Bahn für ihre Fahrgäste 2017 wieder 19-Euro-Aktionen.

Auch für die BahnCard 100 müssen 2,5 Prozent mehr bezahlt werden. Die Preise für die BahnCard 25 und 50 bleiben unverändert. Seit August bekommen Besitzer der Bahncard 50 einen Rabatt von 22 Prozent auf die Sparpreise im Fernverkehr. Für junge Leute unter 26 Jahren ist die My BahnCard jetzt billiger zu haben. Sie zahlen 39 Euro für die 25er und 69 Euro für die My BahnCard 50 in der 2. Klasse.

Ab dem Fahrplanwechsel können die günstigen Sparpreistickets schon früher gebucht werden. Die Vorverkaufsfrist im Internet und im DB Navigator wird für Sparpreistickets und alle anderen Fahrkarten von 90 auf 180 Tage erweitert. Bisher war die sechsmonatige Vorausbuchung nur in DB-Reisezentren, DB–Agenturen und bei telefonischen Buchungen möglich.

Ab Dezember erhalten auch die Reisenden in der 2. Klasse des ICE einen Zugang zum kostenlosen WLAN-Angebot der Bahn.

Bereits seit August testet die Bahn differenzierte Flexpreise, die sich tageweise in der Höhe leicht unterscheiden. Diesen Versuch weitet die Bahn nun auch auf andere Stecken in Deutschland bis Ende 2017 aus. Mit dem Test soll herausgefunden werden, ob durch unterschiedliche Höhen im Flexpreis mehr Fahrgäste gewonnen und eine bessere Lenkung der Nachfrage erreicht werden kann.

Quelle: www.deutschebahn.com

den ganzen Artikel zeigen