Verbraucherrecht

05.07.2022

Telefonabzocke: So schützen Sie sich

Abzocke am Telefon stellt ein ernstzunehmendes Problem in unserer Gesellschaft dar. Allein 2019 zeigten in Deutschland dem Weißen Ring zufolge 832.966 Betroffene Betrugsdelikte an. Betrügereien am Telefon verursachen zum Teil einen sehr hohen finanziellen Schaden bei den Geschädigten. Gerade ältere Menschen stellen eine begehrte Zielgruppe dar. Altersbedingte Vergesslichkeit, Unsicherheit, Einsamkeit oder schlechtes Gehör sind Schwächen, welche die Täter ausnutzen. Ob unerlaubte Werbeanrufe, angebliche Gewinne, Enkeltrick oder falsche Polizisten – erfahren Sie hier, was im Falle eines solchen Anrufes zu tun ist.

Telefonabzocke: So schützen Sie sich
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Unerlaubte Werbeanrufe

Ohne die ausdrückliche Zustimmung des Angerufenen sind Telefonanrufe, sogenannte „Cold Calls“ als unerlaubte Telefonwerbung verboten. Trotzdem versuchen Callcenter nach wie vor mit dieser Kontaktaufnahme Verbraucher*innen u.a. die Teilnahme an einem Gewinnspiel, ein Abo für eine Zeitschrift, den Wechsel des Energielieferanten oder des Telefonanbieters schmackhaft zu machen.

Tipps:
  • Rufen Sie die am Telefondisplay gezeigte Rufnummer nicht zurück.
  • Fragen Sie den Anrufer nach seinem Namen und der Firma, für die er anruft. Notieren Sie sich diese Angaben sowie die Rufnummer und zeigen Sie den Anrufer bei der Bundesnetzagentur wegen Rufnummernmissbrauch an.
  • Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen und legen Sie einfach den Telefonhörer auf. Eine Verpflichtung, dem Anrufer zuzuhören, gibt es nicht.

Gewinne, die es nicht gibt

Gerade bei Gewinnversprechen am Telefon gibt es verschiedene Vorgehensweisen: Die Abzocker nutzen anonyme Internet-Bezahlsysteme, wie z.B. Paysafecard. Es melden sich angebliche Rechtsanwälte, Notare oder eine von diesen beauftragte Person, vorzugsweise bei älteren Verbraucher*innen. Diese wählen die Täter häufig anhand der Vornamen in Telefonbucheinträgen oder anderweitigen Datenquellen aus.

Den Angerufenen wird mitgeteilt, sie seien die glücklichen Gewinner eines hohen Geldpreises, einer Reise oder eines Autos. Allerdings wäre eine „Verwaltungs-Gebühr” vor der Gewinnübergabe zu bezahlen, die per Internet-Bezahlsystem zu überweisen sei. Die Betroffenen werden aufgefordert Coupons von Paysafecard zu kaufen, die es beispielsweise in Einzelhandelsgeschäften, an Tankstellen oder Kiosken gibt. Mit dem Coupon erwirbt der Käufer eine mehrstellige, individuelle Nummer (PIN), die mit Bargeld zu vergleichen ist. Wer diese PIN-Nummer kennt, kann mit dieser online im Internet einkaufen. Die Betrüger haben es auf die PIN-Nummer des Gutscheins abgesehen, um damit im Internet auf Einkaufstour zu gehen oder sich den Gegenwert des Coupons vom Internet-Bezahlsystem gutschreiben zu lassen. Nicht selten berichten die Opfer von drei- oder vierstelligen Geldbeträgen.

Immer noch häufig sind Werbeanrufe, die einen Gewinn wie z.B. einen Gutschein versprechen. Die Anrufer bieten „Gewinnspielabonnements“ an und fragen dabei die Verbraucher*innen nach ihren persönlichen Daten, z.B. der Kontonummer. Später buchen sie die Gebühren für das Abo vom Konto des Opfers ab.

Sämtliche Varianten haben eines gemeinsam: der versprochene und erhoffte Gewinn bleibt aus und die vermeintlichen Gewinner*innen verlieren ihr Geld.

Tipps:
  • Fragen Sie sich, ob Sie tatsächlich an einem Gewinnspiel teilgenommen haben. Ohne Teilnahme ist auch kein Gewinn möglich. Seien Sie bei Anrufern mit Gewinnversprechen skeptisch.
  • Um einen angeblichen Gewinn zu erhalten, ist es nicht notwendig, Geld zu bezahlen.
  • Geben Sie niemals ihre persönlichen Informationen wie Adressen, Telefonnummern, Konto- oder Kreditkartennummern weiter. Weisen Sie unberechtigte Geldforderungen zurück.
  • Kontrollieren Sie regelmäßig ihre Kontoauszüge. Lassen Sie ungerechtfertigte Abbuchungen von der Bank zurückholen.

Enkeltrick und Schockanrufe

Anrufe von angeblich in Not geratenen Enkeln dienen dazu, um das Mitgefühl und die Fürsorge älterer Verbraucher*innen auszunutzen. Die Anrufer melden sich gezielt bei Senioren, geben sich als Verwandte, Enkelkind oder gute Bekannte aus und bitten bei den Telefonaten kurzfristig um Bargeld. Die Anrufer täuschen eine Notlage, wie einen schweren Unfall oder einen finanziellen Engpass für den Kauf eines Autos oder Computers als Grund für den kurzfristigen Geldbedarf vor.

Durch wiederholte Anrufe werden die Angerufenen rücksichtslos unter Druck gesetzt und zur Verschwiegenheit verpflichtet. Auch kommt es vor, dass mehrere verschiedene Anrufer bezüglich desselben “Enkels” Kontakt aufnehmen, um die Ernsthaftigkeit des Anliegens zu unterstreichen. Sobald das Opfer eine gewisse Zahlungsbereitschaft signalisiert, kündigen die Tätern die Abholung des Geldes an oder nötigen die Opfer zum Geldtransfer.

Die Geldbeträge sind häufig so hoch, dass die Opfer das Ersparte zur Zahlung einsetzen oder sogar Darlehen bei der Bank aufnehmen.

Falsche Polizisten

Anrufe von angeblichen Polizeibeamt*innen oder Amtspersonen sind auch weitverbreitet. Ziel ist es hier, in den Besitz von Geld, Schmuck oder Wertgegenständen zu kommen. Das Telefon-Display zeigt die Notrufnummer 110 oder die Rufnummer der örtlichen Polizei an. Dabei nutzen die Täter eine spezielle Technik, mit der sich eine andere Rufnummer der eigenen vorschaltet.

Die falschen Polizisten fragen die Opfer geschickt nach ihren Besitzverhältnissen aus und konfrontieren sie mit unterschiedlichen Vorwänden wie z.B. aktuell vermehrten Einbrüchen in der Nachbarschaft. Die Geld- oder Wertgegenstände, die sie im Haus aufbewahren, seien somit nicht mehr sicher. Die falschen Beamten fordern die Opfer dazu auf, diese an einen Täter, der sich als Polizist in Zivil ausgibt, zur sicheren Verwahrung zu übergeben.

Findet die Übergabe statt, sind die Gegenstände in der Regel unwiederbringlich verloren. Eine Rückgabe nach Strafanzeige und erfolgreicher polizeilicher Ermittlung ist so gut wie ausgeschlossen. Die Täternetzwerke verkaufen die Gegenstände über Online-Plattformen und machen diese so zu Geld. Häufig kombinieren die Täter den Enkeltrick mit dieser Masche, um auf das Opfer erhöhten Druck auszuüben.

Tipps:
  • Schützen Sie sich! Sprechen Sie am Telefon keinesfalls über persönliche und finanzielle Verhältnisse.
  • Seien Sie gegenüber unbekannten Personen nicht zu vertrauensvoll.
  • Wenn Sie Opfer eines Betrugs geworden sind, wenden Sie sich an die Polizei. Zeigen Sie keine falsche Scham, informieren Sie frühzeitig Ihre Angehörigen.

Weitere Informationen

www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/betrug/betrug-durch-falsche-polizisten/

weisser-ring.de/

www.pfiffige-senioren.de/

www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/publikationen

www.bundesnetzagentur.de