Verbraucherrecht

16.05.2018, Eine Entscheidung, die Leben retten kann

Zu wenig Organspender in Deutschland

Die Transplantationsmedizin hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht und trotzdem sterben Menschen, weil sie das dringend benötigte Organ nicht erhalten haben. Trotz Gesetzesanpassungen, Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung gehen die Zahlen der Organspender stetig zurück. In Deutschland sterben jeden Tag – statistisch gesehen – drei Menschen, weil sie kein Spenderorgan erhalten haben.


 Foto: © BZgA

Seit dem 1. Dezember 1997 gibt es in Deutschland ein Transplantationsgesetz. Durch dieses sollte die Zahl der zur Verfügung stehenden Spenderorgane rasch vergrößert werden. Daneben zielte das Gesetz auf Rechtssicherheit und Transparenz, indem der Gesetzgeber die Verteilung der Organe nach den Kriterien Erfolgsaussicht und Dringlichkeit einführte. Das Gesetz führte auch die institutionelle und personelle Trennung von Hirntoddiagnostik, Koordinierung der Organspende, Entnahme, Verteilung und Implantation von Organen ein.
 

Bis zum sogenannten Transplantationsskandal im Jahre 2012 stiegen die Zahlen der postmortalen (nach dem Tod) Organspenden. Danach gingen die Spenden dramatisch zurück. Es folgte rasch eine Novellierung des Transplantationsgesetzes mit weiteren Regelungen. So legte dieses zum Beispiel das Mehraugenprinzip bei der Entscheidung zur Aufnahme auf der Warteliste fest. Die Prüfungs- und Überwachungskommissionen erhielten sehr klare Kompetenzen und die Manipulation der Warteliste durch Ärzte steht seitdem unter Strafe.

Die postmortale Organspende verbesserte sich dadurch nicht, sie ist seit Jahren weiterhin rückläufig. Laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), gab es im Jahr 2016 noch 857 Organspender, im Jahr 2017 waren es mit 797 Organspendern bereits 60 weniger.
(Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Stiftung Organtransplantation vom 15.01.2018)

In Deutschland gilt die Zustimmungsregelung

Zurzeit ist es in Deutschland so, dass jede Person über 16 Jahren vorab einer Organspende zustimmen muss. Liegt keine schriftliche Zustimmung vor, werden die Angehörigen gefragt, ob sie einer Organspende zustimmen würden.

In Belgien, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Luxemburg, Norwegen, Polen, Portugal, Schweden, Slowenien, Slowakei, Tschechien, Türkei, Ungarn, Österreich, Spanien und seit Anfang 2018 auch in den Niederlanden wird jeder Bürger über 18 Jahren automatisch als Organspender behandelt. Um hiervon ausgenommen zu werden, müssen die Personen der Organspende explizit widersprechen.

Widerspruchslösung auch in Deutschland?

Bei der Widerspruchslösung können die Organe entnommen werden, wenn der Verstorbene zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen hat und die Angehörigen keine Einwände haben. Durch diese Widerspruchslösung wird die sogenannte „Erklärungslast“ umgedreht.

In Ländern mit Widerspruchslösung ist die Situation der Organspender wesentlich positiver. Die Schwerstkranken warten kürzer auf ein Spenderorgan und es finden deutlich mehr lebensrettende Transplantationen statt.

Spanien als Vorbild

Zum Beispiel spenden Spanier fünf Mal mehr Organe als die Deutschen. Warum? Zum einem gilt in Spanien die Widerspruchslösung. Doch dies ist nicht der einzige Unterschied. Die Spanier vertrauen der spanischen Nationalen Transplantationsorganisation (ONT), die sich seit 25 Jahren führend um die Organspende kümmert. Der Ablauf der Organspende ist eine Aufgabe der Krankenhäuser. Jedes Krankenhaus hat einen Transplantationskoordinator – meist einen Intensivmediziner – mit einem dazugehörigen Team. Die Krankenhäuser evaluieren die Arbeit und bilden das Team regelmäßig weiter.
(Quelle: www.aerzteblatt.de Beitrag vom 12.01.2018).

Internet-Kampagne zur Organspende

Im letzten Jahr startete die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml eine neue Organspende-Kampagne im Internet. Unter dem Motto „ Keine Ausreden. Entscheide dich jetzt!“ wurden Videoclips produziert, die über die Voraussetzung einer Organspende informieren und vielen Fragen dazu beantworten. Die Videoclips finden Sie unter: https://keine-ausreden.bayern/

Fazit

Es gibt zu wenig Organspender in Deutschland und es werden – trotz neuer Gesetze, Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung – immer weniger. Die Politik ist gefragt – nicht nur über die Widerrufslösung zu diskutieren, sondern das gesamte System zu überdenken. Vertrauen, spezialisierte Ärzte und Teams sind bei diesem sensiblen Thema unverzichtbar.

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