Ernährung

17.03.2019

Arganöl - das "flüssige Gold Marokkos"

Das als "flüssiges Gold Marokkos" beworbene Pflanzenöl wird inzwischen auch in Deutschland als Wunderöl verkauft. Es soll eine "heilende Wirkung" besitzen und wird als Anti-Aging-Produkt beworben. Erfüllt das sehr teuere Arganöl, das bis zu 100 Euro pro Liter kostet, jedoch auch die vielfältigen Versprechen im Bereich der Ernährung?

Herstellung

Arganöl - das "flüssige Gold Marokkos"
Foto: © LARGANIER - Pixabay.com

Arganöl wird aus den Kernen der Früchte der Arganie gewonnen. Dieser Arganbaum wächst nur in wüstenähnlichen Bereichen im Südwesten von Marokko. Da der Baumbestand vom Aussterben bedroht ist, wurde diese Region von der UNESCO 1998 zum Biosphären-Reservat erklärt. Die Früchte können genutzt werden, die Bäume selbst dürfen jedoch nicht abgeholzt werden. Die Ölgewinnung und die Vermarktung werden von Frauen übernommen, die sich in Kooperativen zusammengeschlossen haben.

Die Gewinnung des Arganöls selbst ist sehr aufwendig. Zum einen können die Früchte erst verarbeitet werden, wenn sie reif vom Baum fallen. Zum andern ist viel Handarbeit nötig um die Samen aus dem Fruchtfleisch zu lösen, die Kerne mit einem Stein zu öffnen und so die ölhaltige Mandel zu erreichen.

In der traditionellen Herstellung wird diese Mandel vor der Weiterverarbeitung bei milder Hitze geröstet und dann in einer Handmühle zermahlen. Der fetthaltige Brei wird solange mit Wasser verknetet, bis sich Öl und Wasser voneinander trennen und das reine Öl abfiltriert werden kann. Dieser Zeitaufwand von bis zu 2 Tagen ist unter anderem für den hohen Preis des Arganöls verantwortlich.

Inzwischen gibt es auch mechanische Herstellungsschritte, die bei der Entfernung des Fruchtfleisches, dem Rösten und Pressen eingesetzt werden, um den Zeitaufwand zu verringern und die Ölausbeute zu steigern. Auch bei der Lagerstabilität zeigen die Öle aus mechanischer Herstellung häufig eine höhere sensorische Qualität als Arganöl aus der traditionellen Herstellung.

Ernährungsphysiologische Beurteilung

Die Fettsäurezusammensetzung des Arganöls ist im Vergleich zu anderen Speiseölen nur als mittelmäßig zu beurteilen. Der Anteil an gesättigten Fettsäuren ist zu hoch, ebenso der Gehalt an Linolsäure (Omega-6- Fettsäure). Da Ölsäure vergleichsweise weniger enthalten ist und Alpha-Linolensäure (Omega-3-Fettsäure) fast völlig fehlt, ist Arganöl ernährungsphysiologisch ungünstiger zu beurteilen als Olivenöl oder Rapsöl. Auch der in der Werbung so herausgestellte Gehalt an Vitamin E ist nicht höher als bei anderen Speiseölen.

Gesundheitliche Aspekte

Im Zusammenhang mit Arganöl werden auch verschiedene positive gesundheitliche Eigenschaften diskutiert, z.B. cholesterinsenkende Wirkung, Reduzierung des Risikos von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, antioxidative Wirkung. Dazu gibt es nur sehr wenige wissenschaftliche Untersuchungen. Doch auch anderen Pflanzenölen werden die gleichen positiven Wirkungen zugeschrieben. Arganöl hat also auch hier keine herausragenden Eigenschaften.

Fazit

Arganöl kann durch seinen nussigen, röstigen Geschmack eine Bereicherung für unsere Küche sein. Allerdings erfüllt seine Zusammensetzung viele Werbeversprechungen nicht. Ernährungsphysiologisch sind andere Speiseöle wie Olivenöl und Rapsöl günstiger einzustufen und das zu einem wesentlich niedrigeren Kaufpreis.

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