Ernährung

22.08.2020

Light-Produkte – schnelle Schlankmacher oder Verbrauchertäuschung

Seit den 70er Jahren wuchs das Sortiment an „Lightprodukten“ ständig. Sie werben mit weniger Energie, Zucker, Alkohol, Salz, Koffein oder Kohlensäure. Viele Verbraucher kaufen sie regelmäßig um dann enttäuscht festzustellen, dass sie nicht wie versprochen ganz von selbst Gewicht verlieren.

Kennzeichnung

Seit 2007 legt die Health-Claims-Verordnung Nährwertgrenzen für „leichte“ Lebensmittel fest.

 1. „Energiearm“ dürfen Lebensmittel bezeichnet werden, wenn ein festes Lebensmittel nicht mehr als 40 kcal bzw. 170 kJ/100 g oder 20 kcal bzw. 80 kJ bei einem flüssigen Lebensmittel enthält.

2. „Energiereduziert“, wenn eine Zutat mindestens 30 Prozent weniger Kalorien enthält wie das traditionell hergestellte Produkt. Es muss angegeben werden welcher Nährstoff bzw. welches Lebensmittel zur Reduzierung geführt hat.

3. „Fettarm“ dürfen Lebensmittel bezeichnet werden, wenn weniger als 3 g Fett/100g oder weniger als 1,5 g Fett/100ml in flüssigen Lebensmitteln enthalten ist. „Fettfrei“ ist zulässig, wenn das Produkt nicht mehr als 0,5 g Fett enthält.

3. „Arm an gesättigten Fettsäuren“ ist erlaubt, wenn in festen Lebensmitteln nicht mehr wie 1,5/100g oder 0,75 g/100 ml enthalten sind. Die gesättigten Fettsäuren sowie die trans-Fettsäuren dürfen insgesamt höchstens 10 % der Energie liefern. Bei der Angabe „frei von gesättigten Fettsäuren“ dürfen nicht mehr wie 0,1 g/100 g oder 100 ml enthalten sein.

4. „Ohne Zuckerzusatz“ ist zulässig, wenn keine zusätzlichen Mono- oder Disaccharide oder andere süßende Lebensmittel wie Honig etc. zugesetzt sind.

Seit dem 13.12.2016 ist die Nährwertkennzeichnung entsprechend der neuen Lebensmittelinformationsverordnung für alle verpackten Lebensmittel verpflichtend.

Kritik an Lightprodukten

Wird ein Nährstoff reduziert, wird häufig ein anderer mehr eingesetzt.  Schließlich muss der fehlende Geschmack und das fehlende Gewicht korrigiert werden. Dadurch wird die Kalorienersparnis fast wieder ausgeglichen. So kann z. B. ein „fettfreier Fruchtjoghurt“ mit 0,1 % Fett im Vergleich zum Vollmilchjoghurt mit 3,5 % nur 2 Kalorien weniger enthalten. Gleichzeitig fehlt ihm die Cremigkeit und Vollmundigkeit eines vollfetten Joghurts.

Viele Lightprodukte z.B. fettarme Brotaufstriche, Margarinen, Salatdressings können ohne Zusatzstoffe wie Johannisbrotkernmehl, Carrageen oder modifizierte Stärke nicht hergestellt werden. Sie werden zur Stabilisierung des Produktes benötigt.  Da die Produkte einen hohen Wasseranteil besitzen kommen auch Aromen und Geschmacksverstärker häufig zum Einsatz.

Die größte Energieersparnis gibt es bei Softdrinks. Statt 520 Kalorien pro Liter haben „Lightgetränke“ fast Null Kalorien. Anstelle des Zuckers werden verschiedene Süßungsmittel verwendet. Auch das ist umstritten. Süßstoffe sind nach allen wissenschaftlichen Untersuchungen keine akut gesundheitsschädlichen Zusatzstoffe, jedoch gibt es einige Studien, die einen Zusammenhang zwischen Übergewicht, Diabetes und Metabolischem Syndrom erkennen lassen. Außerdem begünstigt eine zu süße Ernährung wahrscheinlich die Lust auf Süßes. Deshalb sollten „Light-Getränke“ und andere mit Süßstoff hergestellte Lebensmittel möglichst selten verzehrt werden.

Die Psyche trickst

Nach dem Verzehr von „Lightprodukten“ ist der Hunger oft nicht gestillt. Der Körper lässt sich nicht einfach austricksen. Viele Verbraucher gönnen sich nach einer „Light-Mahlzeit“ noch eine Extraportion. Die vermeintlichen Schlankmacher erlauben ja eine zweite Portion wie es die Werbung gerne suggeriert.

Wie schmecken Light-Produkte?

Ein Geschmacksvergleich kam zu dem überraschenden Ergebnis: „Es schmeckt besser wie erwartet.“ Einige Produkte schmeckten sogar besser als traditionelle Rezepturen oder es war nicht zu erkennen, ob es die „leichte“ oder die „klassische“ Variante war.

Da derzeit bei vielen Produkten an einer „Reformulierung“ von Rezepten gearbeitet wird um Zucker-, Fett- und Salzgehalt zu reduzieren, werden wahrscheinlich neue „Light-Produkte“ auf den Markt kommen die dann als „reformulierte“ Lebensmittel bezeichnet werden.  

Fazit

Um Lightprodukte herzustellen ist immer ein hoher technologischer Aufwand notwendig. Es sind keine natürlichen Lebensmittel. 

Sie sind häufig teurer wie traditionelle Lebensmittel und bringen oft kaum eine Energieersparnis.
 

Empfehlung

Vor dem Kauf empfiehlt sich ein genauer Blick auf die Zutatenliste und die Nährstoffangabe.

Bevorzugen Sie hochwertige natürliche „Lightprodukte“ wie Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, magere Milch- und Fleischprodukte und natürlich Wasser. Dann können Sie auf stark verarbeitete „Lightprodukte“ der Lebensmittelindustrie verzichten und trotzdem ihr Gewicht dauerhaft in den Griff bekommen.

www.Health Claims - BfR (bund.de)