Ernährung

21.02.2020

Trendlebensmittel Hanf - Gesund oder berauschend?

Hanf ist eine Pflanze, die wertvolle Rohstoffe liefert: Fasern für Dämmstoffe und zur Papierherstellung, Samen zur Öl- oder Mehlgewinnung und Blätter für Tees und Getränke. Hanf enthält aber auch Cannabinoide als Grundlage für Cannabis, Hasch, Marihuana und Cannabidiol (CBD). Die Gesetzeslage ist verworren. Stellen Hanf-Lebensmittel besonders gesunde Alternativen dar oder wirken sie vielmehr berauschend?

Trendlebensmittel Hanf - Gesund oder berauschend?
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Hanf hat den Ruf, den Blutdruck und das Immunsystem positiv zu beeinflussen, cholesterinsenkend und Krebsvorbeugend zu wirken. Solide Studien, die dies belegen, gibt es bisher kaum. Dennoch etablieren sich spezielle Läden, die ausschließlich Hanfprodukte verkaufen. Sie alle profitieren vom berauschenden Image des Hanfs. 

Inhaltsstoffe: THC und Cannabidiol (CBD)

Mit Ausnahme von Samen und Wurzel befinden sich auf der gesamten Hanfpflanze Drüsenhaare, die ein Harz produzieren, das zu etwa 80-90 % aus Cannabinoiden besteht. Der Gehalt an Cannabinoiden hängt mit der Anzahl der Drüsenhaare zusammen. Diese sind in besonders hoher Dichte auf Blättern im Bereich der Blütenstände lokalisiert. Weibliche Pflanzen weisen üblicherweise mehr und größere Drüsenhaare auf.

Zu den Cannabinoiden zählen das psychoaktive Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und das nicht rauscherzeugende Cannabidiol. Eines dieser Cannabidiole ist das CBD, das neuerdings als Öl, aber auch in Keksen, Kaugummi oder Schokolade verkauft wird. Besonders das Öl soll eine entspannende und beruhigende Wirkung ausüben.

Verkauf von Hanf-Produkten

Der Verkauf dieser CBD-Produkte ist nach Einschätzung der Behörden nicht zulässig. Das Bundesinstitut für Medizinprodukte ordnet das CBD wegen seiner entspannenden Wirkung unter Arzneimittel ein.
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) vertritt die Ansicht, dass Cannabidiolprodukte unter die Novel Food Regelung fallen, da es vor Mai 1997 kein vergleichbares Lebensmittel gab. Das bedeutet aus Sicht des BVL, dass die Hersteller für CBD-haltige Lebensmittel wie zum Beispiel für Öl, Kekse oder Kaugummi einen Antrag auf Zulassung stellen müssen. Der Antragsteller haftet und stellt die Einhaltung der Delta-9-THC Grenzwerte sicher. Händler dieser Produkte vertreten eine gegensätzliche Meinung. 

Verschiedene Verwaltungsgerichte haben die Sichtweise des BVL Ende 2019 bestätigt. Somit ist der Verkauf CBD haltiger Lebensmittel derzeit illegal. Deshallb müssen, aus Sicht des VSB, die Behörden nun eine fundierte Rechtslage schaffen.

Für Lebensmittel aus Samen oder Blättern für Tee sieht die Gesetzeslage entspannter aus. Diese sind bereits vor 1997 in der EU angeboten worden und somit zulässig.

Weitaus am häufigsten finden sich auf dem deutschen Markt hanfhaltige Knabbersnacks, Müsli- und Energieriegel (z. B. Fruchtriegel mit Hanfsamen). Es folgen Frühstückscerealien mit Hanfsamen und sonstige Getränke mit Hanfmilch oder Bier mit Hanföl. 

Ernährungsphysiologie – was enthalten Hanfsamen?

Hanfsamen und daraus hergestellte Lebensmittel sind zugelassen und daher frei verkäuflich. Sie enthalten keine rauscherzeugenden Inhaltsstoffe, können allerdings bei der Herstellung damit verunreinigt werden. 

Forderung des VSB: Hanfprodukte müssen von Seiten der Lebensmittelaufsicht regelmäßig kortrolliert werden, um Verunreinigungen auszuschließen.

Hanfsamen erhalten Verbraucherinnen und Verbraucher roh oder geröstet, ungeschält oder geschält. Der Geschmack ist herb-würzig und erinnert an Nüsse. Sie werden in der Küche auch ähnlich wie diese eingesetzt.
Gemahlene Samen eignen sich zum Backen und können dabei einen Teil des herkömmlichen Mehls ersetzen. Das ist allerdings geschmacksabhängig.

Hanf liefert wertvolle Pflanzenöle für Salate, Dressings, Soßen, Marinaden und Brotaufstriche. Der hohe Anteil an den ungesättigten Fettsäuren Linol- und Linolensäure im Verhältnis 3:1 ist ernährungsphysiologisch wertvoll.

Tatsächlich enthalten Hanfsamen sowohl wertvolle Omega-Fettsäuren in einem besonders günstigen Verhältnis, als auch zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe. Das ist aber auch zum Beispiel bei Walnuss- oder Leinöl der Fall.

Hanföle aus Samen werden auch in Apotheken verkauft. Die Preise dort sind mit über 30 Euro pro 10ml extrem hoch. Die Inhaltsstoffe entscheiden sich jedoch nicht von den Hanfölen, die im Handel angeboten werden. Anzeigen und Werbeseiten erwecken oft einen anderen Eindruck.

Hanfprotein ist leicht verdaulich und gut verwertbar und dient als vollwertiger Ersatz für tierisches Eiweiß.

Anbau- und Verkaufsvoraussetzung für THC

Zur Lebensmittelherstellung angebaute Hanfpflanzen dürfen in der EU höchstens 0,2 Prozent Delta-9-THC enthalten. Deshalb ist beim Kauf von Hanfprodukten außerhalb der EU besondere Vorsicht geboten. Hier könnten höhere Konzentrationen vorliegen. Das gilt auch für Nahrungsergänzungen mit Hanf.

Bewertung der Inhaltsstoffe durch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

Das BfR fand in vielen Produkten aus Hanf einen zu hohen THC-Gehalt. Daher kann der Verzehr hanfhaltiger Lebensmittel zum Überschreiten der Akuten Referenzdosis (ARfD) von 0,001 Milligramm (mg) je Kilogramm Körpergewicht führen.

Das bedeutet, dass Personen, die regelmäßig zu Hanfprodukten greifen, Kräutertees mit Hanf trinken oder Öl verwenden, gegebenenfalls zu viele rauschhaltige Substanzen einnehmen und somit die Grenzwerte überschreiten.

  • Verminderte Reaktionsfähigkeiten und Müdigkeit sind zu erwarten.
  • Medikamente und Alkohol verstärken die Wirkung.

Achten Sie deshalb vor allem bei Kindern auf einen geringen Konsum.

 

Weiterführende Informationen: Stellungnahme des BfR Nr. 034/2018 vom 8. November 2018

bfr.bund.de tetrahydrocannabinolgehalte-sind-in-vielen-hanfhaltigen-lebensmitteln-zu-hoch-gesundheitliche-beeintraechtigungen-sind-moeglich.pdf

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