Ernährung

12.06.2019

Trendlebensmittel Hanf - Gesund oder berauschend?

Hanf ist eine Pflanze, die wertvolle Rohstoffe liefert: Fasern für Dämmstoffe und zur Papierherstellung, Samen zur Öl- oder Mehlgewinnung und Blätter für Tees und Getränke. Hanf enthält aber auch Cannabinoide als Grundlage für Cannabis, Hasch, Marihuana und Cannabidiol (CBD). Die Gesetzeslage ist verworren. Stellen Hanf-Lebensmittel besonders gesunde Alternativen dar oder wirken sie vielmehr berauschend?

Trendlebensmittel Hanf - Gesund oder berauschend?
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Weitaus am häufigsten finden sich auf dem deutschen Markt hanfhaltige Knabbersnacks, Müsli- und Energieriegel (z. B. Fruchtriegel mit Hanfsamen). Es folgen Frühstückscerealien mit Hanfsamen und sonstige Getränke mit Hanfmilch oder Bier mit Hanföl, soweit die Daten der Mintel Marktforschung von 2016 im Auftrag des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Spezielle Läden, die ausschließlich Hanfprodukte verkaufen, etablieren sich. Hanf hat den Ruf, den Blutdruck und das Immunsystem positiv zu beeinflussen, cholesterinsenkend und Krebsvorbeugend zu wirken. Solide Studien, die dies belegen, gibt es bisher kaum.

Ernährungsphysiologie – was enthalten Hanfsamen?

Hanfsamen erhalten Verbraucherinnen und Verbraucher roh oder geröstet, ungeschält oder geschält. Der Geschmack ist herb-würzig und erinnert an Nüsse. Sie werden in der Küche auch ähnlich wie diese eingesetzt.

Gemahlene Samen eignen sich zum Backen und können dabei einen Teil des herkömmlichen Mehls ersetzen. Das ist allerdings geschmacksabhängig.

Hanf liefert wertvolle Pflanzenöle für Salate, Dressings, Soßen, Marinaden und Brotaufstriche. Der hohe Anteil an den ungesättigten Fettsäuren Linol- und Linolensäure im Verhältnis 3:1 ist ernährungsphysiologisch wertvoll.

Tatsächlich enthalten Hanfsamen sowohl wertvolle Omega-Fettsäuren in einem besonders günstigen Verhältnis, als auch zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe. Das ist aber auch zum Beispiel bei Walnuss- oder Leinöl der Fall.

Hanfprotein ist leicht verdaulich und gut verwertbar und dient als vollwertiger Ersatz für tierisches Eiweiß.

Rauschhaltige Inhaltsstoffe

Mit Ausnahme von Samen und Wurzel befinden sich auf der gesamten Hanfpflanze Drüsenhaare, die ein Harz produzieren, das zu etwa 80-90 % aus Cannabinoiden besteht. Der Gehalt an Cannabinoiden hängt mit der Anzahl der Drüsenhaare zusammen. Diese sind in besonders hoher Dichte auf Blättern im Bereich der Blütenstände lokalisiert. Weibliche Pflanzen weisen üblicherweise mehr und größere Drüsenhaare auf.

Zu den Cannabinoiden zählen das psychoaktive Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und das nicht rauscherzeugende Cannabidiol. Eines dieser Cannabidiole ist das CBD, das neuerdings als Öl, aber auch in Keksen, Kaugummi oder Schokolade verkauft wird. Besonders das Öl soll eine entspannende und beruhigende Wirkung ausüben.

Verkauf von Hanf-Produkten

Der Verkauf dieser CBD-Produkte ist nach Einschätzung der Behörden nicht zulässig. Das Bundesinstitut für Medizinprodukte ordnet das CBD wegen seiner entspannenden Wirkung unter Arzneimittel ein. Somit ist der Verkauf illegal. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) vertritt die Ansicht, dass Cannabidiolprodukte unter die Novel Food Regelung fallen, da es vor Mai 1997 kein vergleichbares Lebensmittel gab. Das bedeutet aus Sicht des BVL, dass die Hersteller für CBD-haltige Lebensmittel wie zum Beispiel für Öl, Kekse oder Kaugummi einen Antrag auf Zulassung stellen müssen. Der Antragsteller haftet und stellt die Einhaltung der Delta-9-THC Grenzwerte sicher. Händler dieser Produkte vertreten eine gegensätzliche Meinung. Dieser rechtsfreie Raum gehört aus Sicht des VerbraucherService Bayern geordnet.

Für Lebensmittel aus Samen oder Blättern sieht die Gesetzeslage entspannter aus. Diese sind bereits vor 1997 in der EU angeboten worden und somit zulässig.

Anbau- und Verkaufsvoraussetzung

Zur Lebensmittelherstellung angebaute Hanfpflanzen dürfen in der EU höchstens 0,2 Prozent Delta-9-THC enthalten. Deshalb ist beim Kauf von Hanfprodukten außerhalb der EU besondere Vorsicht geboten. Hier könnten höhere Konzentrationen vorliegen.

Bewertung der Inhaltsstoffe durch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

Es gibt keine Verzehrsdaten für hanfhaltige Lebensmittel. Deshalb wurden Verzehrsmodelle für Kinder, Jugendliche und Erwachsene entwickelt. Auf deren Basis und weiterer Studienergebnisse kommt das BfR in seiner Stellungnahme Nr. 034/2018 vom 8. November 2018 zu folgendem Schluss: „Der Verzehr hanfhaltiger Lebensmittel mit den zugrundeliegenden Delta-9-THC-Gehalten kann zu einer Überschreitung der von der EFSA vorgeschlagenen Akuten Referenzdosis (ARfD) von 0,001 Milligramm (mg) je Kilogramm Körpergewicht führen“.

Das bedeutet, dass Personen, die regelmäßig zu Hanfprodukten greifen, Kräutertees mit Hanf trinken oder Öl verwenden, gegebenenfalls zu viele rauschhaltige Substanzen einnehmen und somit die Grenzwerte überschreiten. Verminderte Reaktionsfähigkeiten und Müdigkeit sind zu erwarten. Medikamente und Alkohol verstärken die Wirkung.

Achten Sie deshalb vor allem bei Kindern auf einen geringen Konsum.

 

Weiterführende Informationen: Stellungnahme des BfR Nr. 034/2018 vom 8. November 2018

bfr.bund.de tetrahydrocannabinolgehalte-sind-in-vielen-hanfhaltigen-lebensmitteln-zu-hoch-gesundheitliche-beeintraechtigungen-sind-moeglich.pdf

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