Umwelt

11.11.2020

Oh Tannenbaum – wie grün sind deine Blätter?

Geschmückte Bäume gehören für viele zur Weihnachtstradition. Wir informieren, worauf Sie beim Kauf achten können.

Oh Tannenbaum – wie grün sind deine Blätter?
Foto: © Lukassek - Fotolia.com

In vielen Kulturen gibt es den Brauch, das Zuhause mit immergrünen Pflanzen als Zeichen für Lebenskraft zu schmücken. Da Tannenbäume in Mitteleuropa jedoch eher Seltenheit waren, blieben sie erst nur den wohlhabenden Schichten vorbehalten. Erst ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts angelegte Tannen- und Fichtenwälder deckten den Bedarf, damit der Christbaum seinen Siegeszug antreten konnte.

Jedes Jahr werden in Deutschland knapp 30 Millionen Weihnachtsbäume verkauft – mit steigender Tendenz. Dabei wächst auch das Interesse am „Zweitbaum“ für Balkon, Terrasse, Garten und besonders an kleineren Bäumen von 1,50 bis 1,75 Meter z.B. fürs Kinderzimmer. Die meisten Bäume treten nach ihrem glanzvollen Auftritt schon nach kurzen zwei Wochen die letzte Reise zur Entsorgung an.

Nordmanntanne - vom kaukasischen Zapfen in heimische Wohnstuben

Während der Baum noch in den 50er Jahren „von drauß` vom Walde“ kam, wächst er heutzutage in der Regel auf Plantagen. Er wird aufwändig gepflegt und gehegt, um dem hohen Anspruch nach makelloser Optik zu genügen. Am beliebtesten ist mit ca. 75 Prozent Marktanteil die Nordmanntanne. Allerdings ist sie in unseren Gefilden gar nicht heimisch und damit den hiesigen Bedingungen schlechter angepasst als z.B. die Blaufichte. Diese rangiert immerhin auf Platz zwei der Beliebtheitsskala. Ihre stachligen Nadeln machen das Schmücken zwar etwas knifflig, dafür sorgt ihr waldiger Duft für eine stimmungsvolle Atmosphäre.

Das Saatgut für die Nordmanntanne stammt überwiegend aus Georgien, wo die Zapfen in einer Höhe von bis zu 60 Meter von Hand geerntet werden. Die Zapfenpflücker sind oft nicht ausreichend gesichert und schlecht bezahlt. Das Siegel „Fair Trees“ kennzeichnet Weihnachtsbäume, deren Samen unter fairen und sicheren Arbeitsbedingungen gepflückt wurden.

Anbau in Christbaumkulturen

Der Großteil der im Bundesgebiet verwendeten Jungpflanzen wird in Baumschulen in Dänemark und Norddeutschland gezogen. Das milde, ausgeglichene Klima sowie die vorherrschenden sandigen, steinlosen Böden sind besonders für die Jungpflanzenaufzucht geeignet. Danach wachsen sie für weitere acht bis zwölf Jahre im endgültigen Weihnachtsbaumquartier. Die Anbauflächen beanspruchen in Deutschland etwa zwischen 30.000 und 50.000 Hektar (SDW).

Da Weihnachtsbaum-Monokulturen anfällig für Schädlinge sind, werden in der Regel chemische Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Diese vernichten jedoch auch sämtliche Nützlinge. Um eine möglichst perfekte Wuchsform zu erzielen, wird der natürliche Bewuchs aus Stauden, Gräsern und Kräutern unter den Nadelbäumen mit Herbiziden beseitigt. Lebensraum für die heimische Flora und Fauna bieten diese Flächen kaum mehr. Spezielle Düngezusätze sorgen für möglichst kräftig blaugrüne Nadeln. Diese Chemiecocktails sind nicht nur Gift für die Umwelt, sondern können auch für Allergiker oder Asthmatiker die Freude am Fest dämpfen.

Baum aus ökologisch bewirtschafteter Fläche

Im ökologischen Anbau sind Pestizide zur Schädlingsbekämpfung ebenso wie Kunstdünger, Kahlschlag und Entwässerungsmaßnahmen verboten. Die Anbauflächen innerhalb von Wäldern oder auf besonderen Arealen wie Schneisen oder Trassen unter Hochspannungsleitungen reduzieren den Flächenverbrauch. Schonende Methoden wie die Beweidung mit Schafen oder mechanisches Ausmähen werden eingesetzt, um die Bäume frei zu halten.

Verbraucher*innen erkennen die Bäume am Bio-Siegel der europäischen Union oder am Siegel eines der Bio-Anbauverbände Biokreis, Bioland, Naturland und Demeter. Ebenfalls empfehlenswert sind Bäume aus einem FSC-zertifizierten Betrieb (Forest Stewardship Council). Auch hier wird auf Pestizide und Mineraldünger verzichtet.  

Das „PEFC“-Label (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) soll ebenso eine naturnahe Forstbewirtschaftung bescheinigen. Allerdings sind die Kriterien weniger streng und ihre Einhaltung wird nur unzureichend überprüft. Für Umweltbewusste ist es deshalb ebenso wie das Label „Fair Forest“ keine verlässliche Alternative.

Bäume aus FSC-zertifizierter Waldwirtschaft und aus anerkannt ökologischen Weihnachtsbaumkulturen sind nicht überall leicht zu finden. Hilfreich ist die Liste mit bundesweiten Verkaufsstellen, die von der Umweltorganisation Robin Wood jährlich erstellt wird.

Eine Übersicht für Bezugsmöglichkeiten in Bayern bietet der BUND Naturschutz in Bayern. 

Bäume aus der Region bzw. direkt aus dem Wald

Die Nachfrage nach regional gewachsenen Bäumen wächst. Aus Umweltsicht ist das positiv. Schließlich zieht der weite Transport importierter Bäume aus Nachbarländern wie Dänemark, Ungarn, Österreich, Polen oder Tschechien einen hohen CO2-Ausstoß nach sich. 90 Prozent der verkauften Weihnachtsbäume gedeihen inzwischen in Deutschland – zumindest den größten Teil ihrer Wachstumszeit. Fragen Sie beim Kauf nach, woher der Baum stammt.

Wer keinen Wert darauf legt, dass sein Baum dem gängigen Schönheitsideal entspricht, und lieber ein natürlich gewachsenes Exemplar sein Eigen nennt, sollte sich an Förster oder private Waldbesitzern in der Nähe wenden. Mit etwas Glück kommt man hier an eine taugliche Tanne, Fichte oder Kiefer, die im Rahmen der Waldpflege ohnehin entnommen wird.

Einen Baum aus der Region finden Sie auch über den Verein „Bayerischer Christbaumanbauer e.V.“. Er setzt sich für die Vermarktung frischer Weihnachtsbäume aus Bayern ein. Die Bäume sind am Herkunftszeichen „Bayerischer Christbaum“ zu erkennen. Anbieter sind unter http://bayerische-christbaumanbauer.de/anbieter/ gelistet. Wer den Baum direkt vom Erzeuger kauft, hat auch die Chance, sich selbst ein Bild von der Anbaufläche zu machen, oder darf seinen Baum vielleicht sogar selber schlagen.

Im Topf oder selbstgebastelt – „Mehrweg“-Baum als Alternative?

Wer auf Wegwerfware aber nicht auf den Christbaum an sich verzichten möchte, findet echte Bäume im Pflanztopf, die nach Weihnachten im Freien weiterwachsen sollen. Doch Vorsicht: Der Temperaturwechsel stellt für die Bäume eine sehr große Belastung dar. Wer den Baum anschließend ins Freie pflanzen möchte, muss einige Dinge beachten. Der Baum sollte langsam an die Temperaturveränderungen gewöhnt werden und nur wenige Tage im beheizten Raum stehen. Besser ist es, die Bäume auf der Terrasse oder dem Balkon aufzustellen. Wichtig ist zudem, dass der Baum schon im Topf gezogen wurde. Ansonsten besteht die Gefahr, dass der Wurzelballen beim Ausstechen beschädigt wird. Bevorzugen Sie flachwurzelnde Arten wie z.B. Blaufichten, denn Tiefwurzler wie die Nordmanntanne haben schlechte Chancen, nach dem Einpflanzen wieder richtig anzuwachsen. Achten Sie auch darauf, dass der Baum aus der Region stammt und nicht mit Pestiziden behandelt wurde.

Wer mutig ist, kann sich auch Anregungen für „do-it-yourself“-Weihnachtsbäume im Internet holen. Hier finden sich z.B. Anleitungen für Bäume mit Holzscheiten oder Ästen. Der „Baum“ kann individuell geschmückt werden und jährlich wiederverwendet werden. Im Gegensatz zur Kunststofftanne besteht er aus natürlichem Material und erhebt gar nicht erst den Anspruch „wie ein Echter“ auszusehen. Außerdem zieht er bei Ihren Gästen mit Sicherheit alle Blicke auf sich.

Weihnachtsbäume aus Kunststoff sind nur bei langer Nutzung und guter Qualität eine Alternative. Billigware stammt meist aus Fernost, kann Schadstoffe enthalten und stellt ein Problem bei der Entsorgung dar.

Links und Quellen:

Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger 

BUND: Bio-Weihnachtsbäume regional und ökologisch kaufen 

Initiative Bio-Weihnachtsbaum 

Robin Wood: Ökologische Weihnachtsbäume

Schutzgemeinschaft Deutscher Wald: Weihnachtsbaum in Zahlen und Fakten 

Umweltbundesamt: Umweltfreundliche Weihnachtsbäume  

Utopia: Der Bio-Weihnachtsbaum ... und andere Alternativen zum Tannenbaum