Umwelt

13.05.2020

„Smart“ Spielen: Digitalisierung im Kinderzimmer

Die zunehmende Digitalisierung zeigt sich auch auf dem Spielzeugmarkt. Interaktive Puppen, Spielzeugroboter und Fahrzeuge, die sich per App steuern lassen, erobern die Kinderzimmer. Worauf Eltern bei der Auswahl von Spielsachen achten sollten, erfahren Sie hier.

Strom betriebene Spielsachen gibt es schon lange. Immer mehr im Kommen sind "schlaue" Spielsachen, die Fragen beantworten oder Aktionen ausführen und so in Interaktion mit dem Kind treten. Puppen und Kuscheltiere mit Spracherkennung sprechen mit dem Kind, Spielzeugroboter stapeln auf Befehl Gegenstände und Fahrzeuge wie Rennautos und Drohnen lassen sich aus der Ferne per App steuern und mit Spielen auf dem Smartphone verbinden. Da der Begriff gesetzlich nicht definiert ist, werden Produkte mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften als "smart" vermarktet.

„Smart“ Spielen: Digitalisierung im Kinderzimmer
Foto: © ulza - stock.adobe.com

Die „intelligenten“ Spielsachen sind in der Regel mit Mikrofon und Kamera ausgestattet und in der Lage, Gespräche, Fotos oder Filme aufzuzeichnen. Die Interaktivität des Spielzeugs kann ausschließlich über eingebaute Sensoren und Software im Spielzeug selbst erfolgen, ohne dass eine Verbindung mit dem Internet nötig ist: Beispiele dafür sind sprechende Puppen, Figuren, die auf Gesten oder Befehle reagieren, und elektronische Haustiere, bei denen die Pflege und Kommunikation mit dem Tier im Vordergrund stehen.

Interaktiv und vernetzt: persönliche Daten schützen

Einige der smarten Spielsachen lassen sich über Bluetooth mit dem Smartphone oder über WLAN mit einem externen Server im Internet verbinden. Derartig vernetzte Spielsachen bergen Risiken hinsichtlich Privatsphäre, Datenschutz und Datensicherung. So besteht bei einer ungesicherten Verbindung die Gefahr, dass sich fremde Smartphone-Nutzer mit dem Spielzeug verbinden und so Kinder abhören oder kontaktieren können.

Auch Rückschlüsse auf Nutzungsgewohnheiten und Persönlichkeitsmerkmale sind möglich. Werden persönliche Daten an einen externen Server übermittelt, können diese für personalisierte Werbung bis hin zum Identitätsdiebstahl missbraucht werden. Im Jahr 2017 wurde die Puppe Cayla von der Bundesnetzagentur als unerlaubte Sendeanlage, also ein verstecktes Spionagegerät, eingestuft und deshalb in Deutschland verboten.

Es ist beim Kauf nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen, ob eine Drahtlosverbindung über WLAN und/oder Bluetooth - einmalig zur Aktivierung oder auch durchgehend beim Spielen - erforderlich ist. Bei vernetzten Produkten empfiehlt es sich, auf folgende Merkmale zu achten:

  • Gesicherte Bluetooth-Verbindung: Ist die Eingabe eines Passwortes oder PIN Codes erforderlich, um das Spielzeug mit dem Smartphone zu verbinden?
  • Datenschutzerklärung: Werden Daten erhoben, übermittelt und weiterverarbeitet?
  • Zugriffsberechtigungen bei Apps: Worauf greift die App zu, z.B. Standort, Kamera, Kontakte oder Speicher? Ist die Notwendigkeit des Zugriffs nachvollziehbar?
  • Benutzerkonto: Ist eine Registrierung erforderlich? Machen Sie keine persönlichen Angaben wie z.B. Geburtsdatum und Name des Kindes.

Smarter Elektroschrott: Rohstoffe, Akkulaufzeit, Entsorgung

In smarten Produkten sind verschiedene elektronische Bestandteile verbaut. Dafür werden wertvolle Ressourcen benötigt, die auf der Erde nur begrenzt vorhanden sind und deren Abbau oft mit beträchtlichen Belastungen für Mensch und Umwelt einher geht. Auch Spielzeug unterliegt Modewellen. Gerade elektrische und elektronische Produkte verlieren schnell ihren Reiz, bei Defekten droht ein vorzeitiges Aus.

Smarte Spielsachen funktionieren nur mit Strom. Für die Stromversorgung sorgen Akkus oder Batterien. Sind diese leer, muss das Spiel erst einmal ruhen. Leicht zugängliche Batterien stellen eine Gefahr für Kleinkinder dar: Lässt sich das Batteriefach vom Kind öffnen, besteht Verschluckungsgefahr bei Knopfbatterien.

Ausgedientes smartes Spielzeug gilt als Elektroschrott und darf nicht über den Hausmüll entsorgt werden. Dies gilt auch für herkömmliche elektrische Spielsachen wie beispielsweise blinkende Bausteine oder batteriebetriebene Fahrzeuge. Abgeben können Sie diese an kommunalen Sammelstellen und unter bestimmten Voraussetzungen im Handel. Falls möglich, die darin enthaltenen Batterien und Akkus den Geräten zuvor entnehmen und getrennt über entsprechende Sammelboxen im Handel oder an Wertstoffhöfen entsorgen (Umweltbundesamt).

Welches Spielzeug eignet sich für mein Kind?

Spielen hat eine zentrale Funktion in der Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes. Smartes Spielzeug wirbt oft mit Lerneffekten wie zum Beispiel der Förderung des Spracherwerbs. Gerade für den Spracherwerb ist allerdings vornehmlich die Kommunikation zwischen Eltern und Kind besonders wichtig. Dieser Austausch erfolgt insbesondere beim gemeinsamen Lesen von Büchern und Spielen mit klassischen Bausteinen, Bällen etc.

Elektrisches und elektronisches Spielzeug ist für Kinder in der Regel sehr ansprechend: Es sendet optische und akustische Reize aus und weckt so leicht die Neugier und das Interesse. Kinder beschäftigen sich mit interaktivem Spielzeug bevorzugt allein und kommunizieren dabei weniger mit ihren Eltern (Welt). Wichtig: Ebenso wie bei anderen Spielsachen gibt es auch bei „intelligenten“ geeignete und weniger geeignete Produkte. Eltern sollten sich vorab überlegen, welche Produkte zu Ihrem Erziehungsstil passen.

Weniger ist mehr: Überangebot vermeiden

Das Angebot ist riesig, das „richtige“ Spielzeug auszuwählen nicht immer leicht. Hoher Spielwert, gesundheitlich unbedenklich und umweltfreundlich - Spielsachen sollen unterschiedlichste Ansprüche erfüllen. Grundsätzlich empfehlenswert ist eine gesunde Mischung aus analoger und digitaler Beschäftigung. Die Zeit, die Kinder mit Spielen am Smartphone oder Tablet verbringen, sollte begrenzt werden.

Ein Überangebot an Spielsachen führt gegebenenfalls dazu, dass sich das Kind nur schwer auf ein Spielzeug konzentrieren kann. Hinzu kommt, dass viele Spielwaren nach kurzer Zeit ungenutzt im Schrank liegen oder vorschnell kaputt gehen. Wegwerfprodukte finden sich auch in Kinderzimmern: Sie können zu Frust oder einer geringeren Wertschätzung führen und belasten unnötig Umwelt und Geldbeutel. Eine preiswerte Alternative zum Neukauf: Spiele mit Freunden tauschen oder in Büchereien ausleihen.

Sicherheitsrisiken bei Spielsachen

Lassen Sie sich nicht von Werbeaussagen blenden und überlegen Sie, ob das Spielzeug zu den Interessen und dem Entwicklungsstand Ihres Kindes passt. Die Altersempfehlung des Herstellers dient zur Orientierung. Informieren Sie sich vorab, ob beispielsweise ein Internetzugang oder ein eigener Account nötig sind, und verzichten Sie bei Sicherheitslücken auf den Kauf. Produktbeispiele finden Sie u.a. im Test der Stiftung Warentest „Smart Toys – Wie vernetzte Spielkameraden Kinder aushorchen“.

Verschluckbare Kleinteile, unzulässige Schadstoffe, leicht zugängliche Batterien: Immer wieder werden bei Spielsachen Sicherheitsmängel festgestellt. Spielsachen, die die Marktüberwachungsbehörde als gefährlich gemeldet hat, finden Sie in der Datenbank „Gefährliche Produkte in Deutschland“ sowie im Europäischen Schnellwarnsystem für gefährliche Non-food-Produkte.

Insbesondere langlebige Produkte sind auch aus zweiter Hand erhältlich. Vorsicht ist bei sehr alten Spielwaren aus Kunststoff geboten: Sie enthalten gegebenenfalls Schwermetalle oder Weichmacher, die mittlerweile aufgrund gesetzlicher Änderungen strengeren Grenzwerten unterliegen oder in Spielsachen gänzlich verboten sind (Ökotest 2018).

Orientierung beim Neukauf bieten Gütezeichen, wie das GS-Zeichen für „Geprüfte Sicherheit“, „Der Blaue Engel“, „spiel gut“ oder „VDE“, sowie Testberichte, beispielsweise von Stiftung Warentest und Ökotest. Weitere Informationen im VIS-Beitrag: „Spielzeugkauf: kein Kinderspiel“.

 

Weiterführende Links zu vernetzten Spielsachen

BMJV: Faktenblatt Smartes Spielzeug 

Bundeszentrale für politische Bildung: Digitales Kinderzimmer medienkritisch betrachtet: Aktionsraum für Kinder und Eltern 

Klicksafe: Vernetztes Spielzeug. Datenschutzrisiko im Kinderzimmer 

Marktwächter: (K)ein Kinderspiel?! Vernetztes Spielzeug birgt Risiken 

Stiftung Warentest: Smart Toys - Wie vernetzte Spielkameraden Kinder aushorchen 

 

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