Umwelt

08.04.2022

Steine in Haus und Garten – nachhaltiges Baumaterial?

Steine als Baumaterial in Haus und Garten gelten im Vergleich zu anderen Materialien als naturnah und nachhaltig. Doch stimmt das wirklich? Verbraucher*innen stellen schnell fest, dass Stein nicht gleich Stein ist. Sie stehen einem großen Angebot von verschiedenen, vielfältig einsetzbaren mineralischen Materialien gegenüber. Nachhaltiges Bauen beginnt bereits mit der Entscheidung des Bauherrn, welches Material zum Einsatz kommt. Mit dem Kauf tragen Verbraucher*innen eine Mitverantwortung für Umweltauswirkungen und Sozialverträglichkeit. Erfahren Sie, welche Gesteinsarten nachhaltig sind und welche Eigenschaften sie aufweisen. 

Steine in Haus und Garten – nachhaltiges Baumaterial?
Foto: © bildwert - stock.adobe.com

Welches Material passt zu dem geplanten Verwendungszweck? Stellen Sie sich folgende Fragen:

  • Wie soll der Stein aussehen?
    Edel, natürlich, alternativ, elegant, matt, glänzend, geschliffen, beschlagen, poliert, farbig, die Liste ist lang. Die Bearbeitung der Steine benötigt Chemikalien und belastet die Umwelt.
  • Kommt der Stein im Innen- oder im Außenbereich zum Einsatz?
    Für den Außenbereich sind zum Beispiel in der Regel frost-, hitze-, wasser- und UV-beständige Materialien erforderlich.
  • Wie strapazierfähig sollte der Stein sein?
    So ist für eine Garageneinfahrt ein robusterer Stein erforderlich als für einen Fußweg im Garten. Für die Küche eignet sich beispielsweise ein säurebeständiger Stein und für den Sanitärbereich fällt die Wahl häufig auf einen rutschfesten Stein als Bodenbelag.
  • Wie intensiv nutzen Sie die Fläche?
    Strapazieren Kinder oder Haustiere den Bodenbelag zusätzlich, wird er mit oder ohne Straßenschuhe begangen oder handelt es sich um eine Wandverkleidung? Ist die Fläche Feuchtigkeit oder Sonneneinstrahlung ausgesetzt?
  • Wie lange soll das Material halten?
    Langlebige, pflege- und reinigungsfreundliche Steine sind meist die umweltfreundlichere Wahl.
  • Wie wirkt sich der Stein auf Gesundheit und Umwelt aus?
    Ist das Material schadstofffrei und für Allergiker zu empfehlen? Welche ökologischen und sozialökonomischen Belastungen entstehen während des Lebenszyklus des Materials?
  • Was passiert mit dem Material nach Ende der Nutzungszeit?
    Wiederverwendbares oder recyclebares Gestein ist von Vorteil für die Umwelt.

Nachhaltige Materialien erkennen

Bei der Auswahl der Steine ist der gesamte Lebenskreislauf des Materials von der Gewinnung bis zur Entsorgung zu berücksichtigen. Die Nachhaltigkeit eines Materials hängt ab von Energiebedarf, Transportaufwand und sozialökonomischen Aspekten.

Natursteine sind die erste Wahl

Natursteine stehen als Rohstoff weltweit bisher ausreichend zur Verfügung, insbesondere in bergigen Regionen. Diesbezüglich ist Europa mit seinen alpinen Landstrichen gut aufgestellt. Gruben und Steinbrüche bieten bei nachhaltiger Bewirtschaftung auch im laufenden Betrieb letzte Rückzugsorte für stark gefährdete Tier- und Pflanzenarten, wie das Projekt „Natur auf Zeit“ vom Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) und der deutschen Gesteinsindustrie bereits in Kies- und Sandgruben zeigte.

Anders als bei Kunststeinen, wie zum Beispiel bei Betonsteinen oder keramischen Produkten, entfällt der häufig energieaufwändige Herstellungsprozess. Natursteine kommen als Naturprodukt zur Anwendung. Abbau und Verarbeitung erfordern einen in der Regel relativ geringen Energieaufwand. In Bayern werden pro Kopf und Jahr durchschnittlich drei Tonnen Naturstein gefördert (Vortrag am 24.03.2022 am Bayerisches InfrastrukturForum Heimische Rohstoffe: Bernhard Kling, BIV Bayerischer Industrieverband Baustoffe, Steine, Erden e.V.).

Lokal und regional gewonnene Ware bietet den Vorteil kurzer Transportwege zwischen Steinbruch, Steinwerk und Endabnehmer und sorgt für einen verringerten CO2-Ausstoß. Verbraucher*innen sparen Heizkosten, wenn sie mit einer eingebauten Fußbodenheizung heizen und als Bodenbelag Natursteine mit ihrer guten Wärmeleitfähigkeit nutzen. Es empfiehlt sich, heimische Ware zu bevorzugen, auch wenn die außereuropäischen Importangebote häufig kostengünstiger sind. Die Ersparnis ist oft teuer erkauft mit Ausbeutung der Arbeitskräfte vor Ort, Kinderarbeit, fehlenden Sicherheitsvorkehrungen sowie mit erhöhten Umweltbelastungen durch fehlende oder nicht eingehaltene Umweltstandards. Dazu kommen die langen Transportwege importierter Natursteine, die den ökologischen Fußabdruck zusätzlich vergrößern. Laut Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg e.V. (DEAB) beträgt für einen Import aus China der CO2-Ausstoß beispielsweise 265 Kilogramm. Eine Tonne Natursteine aus dem europäischen Ausland verursacht 88,1 kg CO2 -Äquivalente pro Tonne und die lokalen, deutschen Steinwerke sogar nur 4,4 kg CO2 -Äquivalente pro Tonne. Außerdem ist nicht jeder importierte Stein für die hiesigen klimatischen Bedingungen geeignet. Möchten Sie dennoch auf Importware zurückgreifen, empfiehlt es sich, auf die Produktionsweise und faire Arbeitsbedingungen zu achten. Zertifikate geben Orientierung.

Natursteine sind nicht nur sehr langlebig, sondern auch gut für die Wiederverwendung geeignet. Vielfach sind sie durch Reinigung und Abschleifen in den Originalzustand zurückzuversetzen. Ist das nicht mehr möglich, werden Gesteine, wie zum Beispiel Granit, zu Schotter und Split verarbeitet. Bei der endgültigen Entsorgung bieten Natursteine den Vorteil, dass sie normalerweise keine Schadstoffe enthalten. Das ermöglicht eine gefahrlose Rückführung dieser Baustoffe in den natürlichen Stoffkreislauf.

Kunststeine benötigen viel Energie

Kunststeine bestehen aus feinen Mischmaterialien. Dies erfordert einen wesentlich höheren Energiebedarf gegenüber den Natursteinen. Die robusten und wetterbeständigen Betonsteine sind die häufigsten Kunststeine. Der für die Produktion erforderliche Zementanteil vergrößert den Energiebedarf deutlich. Eine weitere Umweltbelastung entsteht durch erforderliche Zusatzstoffe. Beides wirkt sich negativ auf den ökologischen Fußabdruck aus. Betonsteine werden in großen Mengen produziert und sind kostengünstig. Das Angebot umfasst verschiedene Farben und gleichmäßige, leicht zu verarbeitende Formen. Die Oberflächenversiegelung des Bodens reduziert sich zum Beispiel durch den Einsatz von versickerungsfähigen Betonsteinen und Rasengittersteinen aus Beton.

Welche Natursteine stehen zur Wahl?

Natursteine lassen sich nach ihrer Zusammensetzung in Karbonat- und Silikat-Gesteine einteilen:

Karbonat-Gesteine sind kalkhaltige Gesteinsarten, die vorwiegend für den Innenbereich, aber weniger für den Außenbereich geeignet sind. Durch ihre Weichheit lassen sie sich leicht abbauen und einfach bearbeiten. In diese Gesteinsgruppe gehören Kalkstein und Kalksandstein, Muschelkalk, Marmor und Dolomit.

Silikat-Gesteine eignen sich besser für den Außenbereich, da sie härter und wetterbeständiger sind als Karbonat-Gesteine. Außerdem entwickeln sie keine Verwitterungsschicht an der Oberfläche (Patina). Beispiele sind Schiefer und Quarz.

Nach der Gesteinsentstehung unterscheiden wir Tiefen- und Ergussgesteine von Umwandlungs- und Sedimentgesteinen:
Tiefen- und Ergussgesteine entstanden bei der Entstehung von Gebirgszügen. Sie eignen sich sowohl für den Innen- wie auch den Außenbereich. In diese Gruppe fallen Granit, Diorit, Basalt und Porphyr.

Umwandlungs- und Sedimentgesteine bildeten sich bei Vulkanausbrüchen. Sie eignen sich vor allem für den Innenbereich, zum Beispiel für Böden und Wandverkleidungen. Zu ihnen zählen kristalliner Marmor, Travertin und Serpentin.

Woran erkennen Verbraucher*innen nachhaltiges Material?

Wichtig ist die Frage nach der Herkunft, der Produktionsweise und den Transportwegen der Ware. Ware aus der Region mit kurzen Transportwegen sind von Vorteil. Siegel erleichtern die Entscheidung. Der Blaue Engel und das Eco Label finden nur teilweise in der Steinbranche Anwendung. Für außereuropäische Importware geben die Siegel von Xertifix, Win=Win Fair Stone und TFT Responsible Stone Program und IGEP vor allem unter sozialökonomischen Aspekten Orientierung. Xertifix ist im asiatischen Raum aktiv, kontrolliert die Lieferketten und garantiert definierte Sozialstandards, zum Beispiel die Zahlung von Mindestlöhnen, und führt angekündigte und nicht angekündigte Auditierungen der Produktionsstätten durch.

Wünschenswert wäre ein für Verbraucher*innen transparentes und umfassenderes Bewertungssystem für die Beurteilung der Nachhaltigkeit bei der Gewinnung von Natursteinen und bei der Herstellung von Kunststeinen.

Quellen:

Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg: Natursteine nachhaltig beschaffen 

Naturschutzbund Deutschland NABU: Natur auf Zeit in Rohstoffgewinnungsstätten 

Naturschutzbund Deutschland NABU: Natur auf Zeit schützen 

Siegelklarheit: Siegelverzeichnis Naturstein 

Utopia: Naturstein kaufen - aber welcher ist nachhaltig?

VerbraucherInitiative: Label-Suche