Energie

09.09.2022

Neue Trends: Kleinwindanlagen und Solarstrom vom Balkon

Schon in den zurückliegenden Jahrzehnten waren private Haushalte die Treiber der Energiewende. Sie lieferten die Hälfte des regenerativen Stroms, lange bevor sich die Erkenntnis in der Politik durchsetzte, dass Photovoltaik und Windkraft die Hauptrolle in der Energieerzeugung zukommt. Beim Versuch, möglichst jedes Potenzial auszuschöpfen, fällt der Blick auf kleine Anlagen wie Stecker-PV-Geräte („Balkon-Kraftwerke“) und kleine Windanlagen. Die Energieberatung des VerbraucherService Bayern erläutert Funktion und Nutzen.

Neue Trends: Kleinwindanlagen und Solarstrom vom Balkon
Foto: © Petair - stock.adobe.com

Welcher Standort eignet sich für Kleinwindanlagen?

Während auf, an oder neben die meisten Häuser eine Photovoltaik-Anlage passt und guten Ertrag liefert, sieht es bei geeigneten Standorten für Kleinwindanlagen deutlich schlechter aus. Die Energieberatung des VerbraucherService Bayern rät Interessierten, zunächst zu prüfen, in welcher Windzone sie ein Windrad aufstellen können. Die schlichte Erkenntnis ist, dass ein Windrad vor allem ordentlich Wind braucht, um viel Strom zu erzeugen: So liefert ein guter Standort den achtfachen Ertrag gegenüber einem schlechten Standort mit einer nur halb so hohen mittleren Windgeschwindigkeit. Während bei großen Windanlagen an guten Standorten ein hoher Mast den Rotor in eine Höhe bringt, wo an sehr vielen Tagen im Jahr brauchbare Windgeschwindigkeiten herrschen, ist auf den typischen zehn Metern Maximalhöhe von Kleinanlagen auf Privatgrundstücken die meiste Zeit Flaute.

Generell ist Küstennähe oder eine Höhenlage von Vorteil, aber auch freie Flächen vor und hinter dem Windrad sind nötig. Denn jeder Strauch und jedes Haus in der Hauptwindrichtung wirken sich nachteilig aus. Schon ein Wäldchen in 50 Metern Entfernung macht den Standort ungünstig. Der Wind sollte mit wenig Widerstand „Anlauf nehmen“ können.

Kleinwindanlage fürs Dach?

Auch bei den zunehmend beworbenen Anlagenkonzepten, die eine Montage am Giebel des Hauses oder in Dachrinnennähe vorsehen, empfiehlt sich ein kritischer Blick: Das Gebäude selbst verwirbelt die Windströmung und das Resultat ist ein schlechter Ertrag. Am Wohnhaus machen sich gegebenenfalls außerdem Vibrationen der Rotoren im Betrieb störend bemerkbar. Klären Sie diese Bedingungen ab, bevor Sie zum Bauamt gehen und fragen, ob am geplanten Standort ein kleines Windrad zulässig ist.

Wichtig zu wissen ist außerdem, dass kleine Windräder pro Watt Leistung gut dreimal so teuer sind wie die technisch ausgereiften Megawatt-Maschinen aus der Großserie. Insofern ist der Betrieb einer Kleinwindanlage ein sehr respektables Hobby, aber als Geldanlage taugt es eher nicht – zu diesem Zweck könnte eher ein finanzieller Anteil an einer großen Anlage oder einem Windpark lukrativer sein, ist jedoch auch mit höheren Risiken verbunden.

Wenn Sie mit einem eigenen Windrad liebäugeln, nehmen Sie sich Zeit und ziehen Sie beispielsweise einen Energieberater beim Vergleich verschiedener, angebotener Windräder hinzu. Wer alle Hürden erfolgreich nimmt und auch bereits eine Photovoltaik-Anlage betreibt, wird belohnt mit mehr Unabhängigkeit – im Sommer vor allem durch Photovoltaik, im Winter durch viel Wind: Eine gute Kleinwindanlage von 1,5 Kilowatt Nennleistung erzeugt an einem Standort mit gutem Wind (mittlere Windgeschwindigkeit 4 Meter pro Sekunde) etwa 1.500 Kilowattstunden Strom pro Jahr.

Steckersolargeräte für Balkon und Terrasse

Strom selbst erzeugen und verbrauchen liegt im Trend. Allerdings können nicht alle Verbraucher*innen eine große Solaranlage aufs Dach setzen. Eine Alternative für Mieter*innen und Wohnungseigentümer*innen sind Stecker-Solargeräte für den Balkon oder die Terrasse. Die Energieberatung des VerbraucherService Bayern erläutert Funktion und Nutzen.

Stecker-Solargeräte wandeln Sonnenlicht in elektrische Energie um und sind damit Strom erzeugende Haushaltsgeräte für den Eigenbedarf. Privatpersonen können sie selbst an Balkonbrüstungen, Außenwände, Dächer, Terrassen und Gärten anbauen, anschließen und nutzen.

Wichtig: Für Miet- und Eigentumswohnungen bedarf es vor Anbringen oder Aufbau an der Balkonbrüstung oder der Hauswand der Zustimmung des Vermieters oder der Eigentümergemeinschaft. Auf dem Balkon kann ein Modul ohne Zustimmung aufgestellt werden.

Stecker-Solargeräte setzen sich aus Standard-Solarmodulen und einem Wechselrichter zusammen, der den Gleichstrom der Solaranlage in 230-Volt-Wechselstrom für den Haushalt umwandelt. Der selbsterzeugte Strom fließt so in die Steckdose am Balkon und versorgt von dort Fernseher, Kühlschrank oder Waschmaschine, die an anderen Steckdosen in der Wohnung angeschlossen sind.

Tipps:
  • Achten Sie beim Kauf auf steckerfertige Geräte und auf die Einhaltung des Sicherheitsstandards der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS 0001:2019-10).
  • Melden Sie Stecker-Solargeräte bei der Bundesnetzagentur, dem örtlichen Netzbetreiber und bei Ihrer Hausverwaltung an.

Stecker-Solargeräte bestehen in der Regel aus ein oder zwei Solarmodulen. Ein typisches Stecker-Solar-Modul ist einen Meter mal 1,70 Meter groß und hat eine Leistung von circa 300 Watt. Ein 300-Watt-Modul kostet mit Wechselrichter etwa 500 Euro und erzeugt je nach Standort 200 bis 300 Kilowattstunden Strom im Jahr. Möglicherweise sind weitere Kosten für die Montagevorrichtung zu kalkulieren.

  • Den besten Ertrag liefern Module, die unverschattet zur Südseite ausgerichtet sind. Die Geräte müssen sturmfest montiert sein.
  • Eventuell ist ein Zählertausch notwendig: Wenn das steckbare Solar-Gerät weniger als 800 Watt leistet und die Netzrückspeisung des Solar-Gerätes geringer als vier Prozent des Jahresstrombezugs ausfällt, ist jeder Zähler geeignet. Bei einer höheren Netzrückspeisung ist jedoch ein Zähler mit Rücklaufsperre für den rechtssicheren Betrieb nötig.

Kleiner Exkurs: Solartische – Ein weiterer Trend für Balkon und Terrasse?

Wie ist ein Photovoltaik-Modul noch zu verwenden, um die Energiewende mit kleinen Bausteinen zu fördern? Neue oder gebrauchte Solarmodule als Tischplatte bieten sich geradezu an. Denn sie halten auf Dächern Hagel und großer Schneelast Stand, und sind damit unempfindlich. Lediglich Tischbeine anbringen und wegen der Standfestigkeit beispielsweise mit Kies befüllen. Ebenso ist ein Wechselrichter notwendig, der den erzeugten Strom zur Einspeisung über die Steckdose in das hauseigene Stromnetz aufbereitet.

Vertiefende Informationen rund ums Thema Stecker-Solargeräte finden Sie bei der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie e.V. unter https://www.pvplug.de/faq/.

Beratung zum Thema Strom aus erneuerbaren Energien

Die Energieberatung der Verbraucherzentrale in Kooperation mit dem VerbraucherService Bayern hilft bei allen Fragen zum Thema Strom aus erneuerbaren Energien. Sie findet online, telefonisch oder in einem persönlichen Gespräch statt, und ist je nach Beratungsangebot kostenfrei oder kostenpflichtig (30 Euro). Unsere Energie-Fachleute beraten anbieterunabhängig und individuell. Für einkommensschwache Haushalte mit entsprechendem Nachweis sind alle Beratungsangebote kostenfrei. Terminvereinbarung unter Tel. 0800-809 802 400. Mehr Infos unter www.verbraucherservice-bayern.de/themen/energie/energieberatung. Die Bundesförderung für Energieberatung der Verbraucherzentrale erfolgt durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz.